•     Letzte Aktualisierung 24.9.2008
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Rede des Sprechers des Vorstands

- Es gilt das gesprochene Wort -


„Nachhaltig erfolgreich.“

Ansprache vor den Aktionären der Vossloh AG auf der Hauptversammlung am 21. Mai 2008 in Düsseldorf

-Gekürzte Fassung-

Werner Andree, Sprecher des Vorstands



Sehr geehrte Damen und Herren,

zur Hauptversammlung der Vossloh AG möchte ich Sie, auch im Namen meines Vorstandskollegen Dr. Norbert Schiedeck und unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, herzlich begrüßen. Ich freue mich, dass so viele von Ihnen hierher nach Düsseldorf gekommen sind. Damit zeigen Sie als Aktionäre deutlich, wie sehr Sie sich für Ihr Unternehmen interessieren.


Vossloh hat ein zeitweise turbulentes Jahr hinter sich. Aber das Ergebnis kann sich sehen lassen: 2007 war das beste Jahr unserer Unternehmensgeschichte: Wir haben den Umsatz um 21 Prozent auf 1,2 Milliarden Euro gesteigert – deutlich mehr, als unsere ursprünglichen Planungen vorsahen. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) stieg sogar um 47 Prozent auf 121,5 Millionen Euro. Fast eine Verdreifachung verzeichneten wir beim Konzernüberschuss: Er kletterte von 20,3 Millionen Euro auf 71,4 Millionen Euro.


Mit unserer Rentabilitätsentwicklung können wir durchaus zufrieden sein: Die Rendite auf das eingesetzte Kapital, auf Englisch ROCE (Return on Capital Employed), lag bei 14,9 Prozent und damit zwei Prozentpunkte höher als im Vorjahr. Damit haben wir unser selbst gestecktes Ziel von 15 Prozent jedenfalls annähernd erreicht.


Erfolg misst sich jedoch nicht nur in Zahlen. Gleichzeitig sind wir mit der Umsetzung unserer Strategie weitergekommen. Lassen Sie mich nur ein paar Meilensteine hervorheben:

Sie werden sich erinnern, dass wir letztes Jahr bei der Hauptversammlung über die Internationalisierung unseres Geschäfts gesprochen haben. Unsere Heimat ist nach wie vor Europa, aber unsere Wachstumsmärkte liegen derzeit außerhalb Europas. Im Jahr 2006 hat Vossloh keine zehn Prozent des Umsatzes außerhalb Europas erzielt. Künftig wollen wir den außereuropäischen Umsatz auf 30 Prozent steigern. Im Jahr 2007 haben wir gut 20 Prozent erreicht, im ersten Quartal 2008 sogar 24 Prozent.


Gelungen ist uns das auf zwei Wegen: durch Akquisitionen und organisches Wachstum.

Im Frühjahr 2007 haben wir gleich zwei amerikanische Weichenhersteller: Pohl Corp. und Cleveland Track Material, Inc. erworben. Die beiden US-Töchter werden im Jahr 2008 bereits einen Umsatz von mehr als 100 Millionen US-Dollar beitragen. Damit hat Vossloh nicht nur den Markteintritt in den USA geschafft, sondern ist dort auch auf Anhieb der drittgrößte Anbieter von Weichen.

Noch zwei weitere Übernahmen schlossen wir im Jahr 2007 ab: Unsere Beteiligung an der französischen Européenne de Travaux Ferroviaires SA, kurz ETF, stockten wir im August von 50 auf 100 Prozent auf. Im November unterzeichneten wir einen Kaufvertrag über das Weichengeschäft von Thompsons Kelly & Lewis (TKL) in Australien. TKL Rail heißt heute Vossloh Cogifer Australia und ist die Nummer zwei im australischen Weichenmarkt. Die beiden genannten Unternehmen werden 2008 einen Jahresumsatz von rund 120 Millionen Euro erwirtschaften.

Neben den Übernahmen des letzten Jahres sei hier der Vollständigkeit halber noch der Verkauf des Geschäftsbereichs Information Technologies im Januar 2007 genannt.

Auch im Jahr 2008 haben wir schon zwei kleinere Akquisitionen getätigt: Seit Januar gehört der dänische Marktführer für Weichenherstellung, Sportek Maskinfabrik A/S, zu Vossloh. Im Februar folgte der Erwerb des niederländischen Weichenherstellers Kloos Oving B.V.

Die Akquisitionen sind aber nur die eine Seite der Medaille. Von etwa ebenso großer Bedeutung ist unser organisches Wachstum. Im Jahr 2007 haben wir vor allem von zwei Großaufträgen im Volumen von 185 Millionen Euro profitiert, die wir im Herbst 2006 aus China erhalten hatten. Mit unseren Schienenbefestigungssystemen werden dort die neuen Hochgeschwindigkeitsstrecken ausgestattet, zum Beispiel die so genannte Olympiastrecke von Peking nach Tianjin. Seit Sommer 2007 produzieren wir vor Ort, vor den Toren von Shanghai. Dort haben wir gemeinsam mit unserem chinesischen Joint-Venture-Partner in Rekordzeit eine eigene Fabrik gebaut, die im Jahr 2007 schon einen eigenen Umsatz von 38,8 Millionen Euro erwirtschaftet hat.

Die Internationalisierung kommt also gut voran.

Aber auch hier in Europa entwickeln sich die Dinge sehr positiv. Vor allem unser Geschäftsfeld Locomotives hat spürbar Fahrt aufgenommen. Beide Standorte, Kiel und Valencia, haben einen sehr guten Auftragsbestand. Die wichtigste Zielgröße, einen ROCE von mindestens 15 Prozent, hat das Geschäftsfeld im Jahr 2007 erstmals übertroffen. Damit stehen wir hier nicht mehr unter Veränderungsdruck.


Dass wir auch für künftiges Wachstum gewappnet sind, sehen Sie an unseren Bilanzkennziffern. Unsere Nettofinanzschuld ist zwar durch die Akquisitionen deutlich gestiegen – von 62,3 Millionen Euro auf 124,9 Millionen Euro –, aber unser Verschuldungsgrad, das so genannte Net Gearing, ist mit 28,8 Prozent nach wie vor sehr niedrig.

Das heißt konkret: Wir könnten Akquisitionen von bis zu 400 Millionen Euro tätigen, ohne dass wir dafür eine Kapitalerhöhung bräuchten.

Akquisitionen können wir uns zum Beispiel im Bereich Dienstleistungen und Komponenten vorstellen, die die vorhandenen Produkte in beiden Geschäftsbereichen sinnvoll ergänzen.


Es versteht sich von selbst, dass wir neben den Zukäufen auch in unser organisches Wachstum, in Innovationen und Produktivitätssteigerung investieren. Unsere Investitionen im Jahr 2007 beliefen sich auf 52,6 Millionen Euro – mehr als doppelt so viel wie im Vorjahr. Ein wesentlicher Posten dabei war der Aufbau der Produktionsstätte in China, der mit 13,6 Millionen Euro zu Buche schlug. Aber auch in die vorhandenen Werke wurde investiert: So flossen beispielsweise 2,6 Millionen Euro in eine neue Fertigungsstraße für Schienenbefestigungen in Werdohl. Gleichzeitig wurden unsere französischen Weichenwerke modernisiert. An den beiden Lok-Standorten Kiel und Valencia wurde vor allem in neue Produkte investiert. Wie im Vorjahr stand dabei die dieselelektrische Großlokomotive im Fokus.

Der Vergleich der Investitionen mit den Abschreibungen zeigt: Im Jahr 2007 lagen die Investitionen deutlich höher als die Abschreibungen. Wir haben also nicht nur in Substanzerhaltung, sondern in die Zukunft investiert. Auch für die Jahre 2008 und 2009 planen wir wieder erhebliche Investitionen.


Wie Sie wissen, teilt Vossloh sein Geschäft in zwei Geschäftsbereiche auf: Rail Infrastructure und Motive Power&Components.

Unter Rail Infrastructure fallen wiederum drei Geschäftsfelder:
  • Fastening Systems, ein Weltmarktführer für Schienenbefestigungssysteme
  • Switch Systems, der zweitgrößte Weichenhersteller der Welt
  • Infrastructure Services, unsere Einheit für Gleisbau, Oberleitungsbau und Gleisinstandhaltung

Unter Motive Power&Components fallen zwei Geschäftsfelder:
  • Locomotives mit seinen beiden Standorten in Kiel und Valencia, Europas führender Hersteller von Diesellokomotiven
  • Electrical Systems, manchen von Ihnen vielleicht besser bekannt als Vossloh Kiepe: Das ist der weltweit führende Anbieter für die elektrische Ausstattung von Elektrobussen und Ausrüster von Stadtbahnen.


Der Geschäftsbereich Rail Infrastructure erzielte im Jahr 2007 ein Umsatzplus von 24 Prozent. Selbst wenn man die Akquisitionen herausrechnet, bleibt ein organisches Wachstum von 11 Prozent übrig. Das liegt deutlich über dem Marktwachstum. Das EBIT steigerte sich überproportional um knapp 36 Prozent. Hier macht sich positiv bemerkbar, dass Vossloh insbesondere in den margenstärkeren Geschäftsfeldern Weichen und Schienenbefestigungen zugelegt hat. Auch die bessere Auslastung der Kapazitäten kommt uns hier zugute.


Unsere zentrale Steuerungskennziffer, der ROCE, verbesserte sich im Geschäftsbereich Rail Infrastructure zwar 2007 nicht, lag aber mit 18,2 Prozent immer noch deutlich über der Konzernvorgabe von 15 Prozent. Der leichte Rückgang erklärt sich durch die unterjährigen Akquisitionen. Nach dem Erwerb eines Unternehmens ist dessen Working Capital zum Stichtag voll im ROCE enthalten, das Ergebnis jedoch nur anteilig, beginnend mit der Konsolidierung. Dies führt dann im Jahr der Akquisition zu einer leichten Verwässerung des ROCE.


Der Geschäftsbereich Motive Power&Components verzeichnete ein starkes Wachstum: Der Umsatz stieg um 17 Prozent auf 468,9 Millionen Euro. Beide Geschäftsfelder trugen mit zweistelligen Wachstumsraten dazu bei.

Beeindruckend ist die EBIT-Steigerung dieses Geschäftsbereichs: Das Ergebnis kletterte um 30 Prozent auf 30,6 Millionen Euro.


Auch der Geschäftsbereich Motive Power&Components erfüllt die Konzernvorgabe von 15 Prozent beim ROCE. Der Wert des Jahres 2007 lag mit 15,4 Prozent sogar etwas darüber – und war außerdem 4,5 Prozentpunkte höher als im Vorjahr. Die Verbesserung kommt im Wesentlichen aus unserem Lokomotivgeschäft.


In das Jahr 2008 sind wir gut gestartet: Der Konzernumsatz im ersten Quartal betrug 344,8 Millionen Euro und lag damit um 29 Prozent höher als im ersten Quartal des Vorjahres. Das EBIT stieg sogar um 59 Prozent auf 32,9 Millionen Euro. Beide Geschäftsbereiche trugen deutlich zweistellig zu diesem Wachstum bei.


Der ROCE im ersten Quartal stieg auf 14,7 Prozent – eine deutliche Verbesserung gegenüber dem Vergleichswert von 12,9 Prozent.

Der Auftragsbestand von Vossloh zum Ende des ersten Quartals lag mit 1,3 Milliarden Euro über dem Umsatz des Vorjahres. Damit haben wir eine gute Ausgangssituation für die weitere Entwicklung in diesem Jahr und darüber hinaus.


Das starke Wachstum schlägt sich auch in der Anzahl der Mitarbeiter nieder: Zum 31. März 2008 beschäftigte Vossloh 6.170 Mitarbeiter. Das waren 198 mehr als zum 31. Dezember 2007 und 1.269 mehr als ein Jahr zuvor. Ein wesentlicher Grund dafür sind die Akquisitionen: Allein die beiden neuen US-Töchter beschäftigten zum Berichtszeitpunkt zusammen 362 Mitarbeiter. In unserer Fabrik in China arbeiten 112 Mitarbeiter. Der restliche Anstieg erklärt sich einerseits durch die vollständige Konsolidierung der französischen ETF-Gruppe und andererseits durch organisches Wachstum – insbesondere an den beiden Lokomotivenstandorten.

In Deutschland beschäftigt Vossloh derzeit 1.225 Mitarbeiter. Das entspricht 20 Prozent der weltweiten Belegschaft. Durch die schnelle Auslandsexpansion ist der Anteil der Mitarbeiter in Deutschland zwar relativ gesunken: Ein Jahr zuvor lag er noch bei 24 Prozent. In absoluten Zahlen gemessen hat sich der Personalbestand in Deutschland im ersten Quartal im Vergleich zum Vorjahresstichtag jedoch um 65 Mitarbeiter erhöht.

Wenn ich über Mitarbeiter spreche, möchte ich jedoch nicht nur die Zahlen betrachten. Es gab im Jahr 2007 neben der anspruchsvollen Tagesarbeit, die alle unsere Mitarbeiter leisten, einige Sonderprojekte, die gezeigt haben, zu welchen Höchstleistungen unsere Mitarbeiter in der Lage sind. Zum Beispiel in China: Der erste Spatenstich für unsere dortige Fabrik fand im März statt, und schon Anfang Juli liefen die ersten Produkte vom Band. Zum Jahresende 2007 hatten die Mitarbeiter dort mehr als vier Millionen Schienenklemmen produziert! Der schnelle Aufbau funktionierte nur, weil unsere Ingenieure aus Werdohl zusammen mit unseren chinesischen Partnern Tag und Nacht gearbeitet haben.

Ein anderes Extremprojekt dieser Art fand ausgerechnet zu Weihnachten statt: Im Eurotunnel unter dem Ärmelkanal wurde eine Weiche ausgetauscht – in einem Zeitfenster von nur 20 Stunden. Non-stop arbeiteten unsere Mitarbeiter daran, und zwar unter Extrembedingungen. Gleich nachdem die Weiche verlegt war, fuhr schon wieder ein Zug mit 160 km/h durch den Tunnel. Nach diesem Muster sollen unsere Mitarbeiter auch in den nächsten fünf Jahren regelmäßig Weichen im Eurotunnel austauschen, und zwar immer dann, wenn andere feiern oder ausspannen.

Ich könnte noch weitere herausfordernde Projekte dieser Art aufzählen: in Deutschland, in Europa oder aus irgendeinem der mehr als 100 Länder, in denen Vossloh aktiv ist. All diesen Mitarbeitern, die solches möglich gemacht haben, möchte ich, auch im Namen meines Vorstandskollegen Dr. Norbert Schiedeck, herzlich danken.

Die Vossloh-Mannschaft hat Erfolg, und das ist heute im Unternehmen spürbar. Erfolg erzeugt Zufriedenheit und Ausgeglichenheit, ein positives Betriebsklima ist die Folge. Erfolg spornt auch an. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind hoch motiviert, die Fluktuation ist sehr niedrig. Wir nehmen unsere Führungskräfte in die Verantwortung, dass dies so bleibt. Persönlicher Einsatz jedes Einzelnen, seine Ideen sowie die Bereitschaft, Wissen zu teilen, sind wesentliche Eckpfeiler des Unternehmenserfolgs.


Bevor ich nun einen strategischen Ausblick gebe, möchte ich Ihnen einen Überblick über den Markt geben, in dem sich Vossloh weltweit bewegt.

Weltweit umfasst der Markt für Bahntechnik ein jährliches Volumen von rund 100 Milliarden Euro. Davon sind jedoch nur etwa 72 Milliarden Euro frei zugänglich. Unabhängige Experten gehen von einem jährlichen Wachstum des Segments der Bahninfrastruktur von etwa 2,5 Prozent bis zum Jahr 2015 aus. Die für Vossloh relevanten Märkte der Schieneninfrastruktur – zum Beispiel Hochgeschwindigkeitsstrecken, Nahverkehrsprojekte und Güterumschlag – werden den Prognosen nach stärker wachsen als der Gesamtmarkt.

Zum Wachstum des Marktes weltweit tragen ganz unterschiedliche Faktoren bei.

Beispiel Klimaschutz: Wegen des geringeren Rollwiderstands der Rad/Schiene-Technik sind Eisenbahnen dreimal energieeffizienter als Gummireifen auf Asphalt. Eine Güterbahn stößt pro transportierter Tonne pro Kilometer nur ein Viertel soviel CO2 aus wie der Lkw. Der deutsche Hochgeschwindigkeitszug ICE 3 ist trotz Spitzentempo 300 energiesparender als ein Kleinwagen. Der Energieverbrauch des ICE entspricht schon bei einer nur 50-prozentigen Auslastung einem Benzinverbrauch von 2 Litern pro Person auf 100 Kilometer.

Beispiel Urbanisierung: Die Hälfte der Weltbevölkerung lebt in Städten. Und die Ballungsräume dehnen sich weiter aus. Die Bahn ist das ideale Verkehrsmittel für den steigenden Bedarf der Städter nach Verkehrsleistungen. Sie spart Platz und vermeidet Staus. Deshalb setzen Metropolen wie Berlin, Shanghai oder neuerdings Los Angeles auf die Schiene.

Beispiel wirtschaftlicher Boom in den Schwellenländern: Eine Faustformel in unserer Branche besagt, dass 2 Prozent Wirtschaftswachstum 4 Prozent mehr Verkehrsleistung generieren.

Vossloh kann am Marktwachstum überdurchschnittlich profitieren. Beim Thema Verkehrstechnologie sind wir weltweit ein akzeptierter Partner. Unsere Technologien und Lösungen sind erprobt, sicher und wirtschaftlich. Noch vorhandene Probleme des Schienenverkehrs gehen wir aktiv an, beispielsweise als Partner in einem Projekt „leise Schiene“.


In absoluten Zahlen betrachtet, ist Westeuropa weiterhin der mit Abstand wichtigste Markt für Bahntechnik weltweit. Auf absehbare Zeit wird jedoch Asien der am stärksten wachsende Markt für Bahntechnik sein. Hier werden Wachstumsraten von drei bis fünf Prozent erwartet. Denn je mehr die Wirtschaft in diesen Regionen wächst, desto mehr Fracht wird transportiert – oft über die Schiene. Gleichzeitig nimmt auch die Mobilität der Menschen zu, und damit das Verkehrsaufkommen bei Personenzügen.

Auch in der Region Afrika/Naher Osten werden hohe Wachstumsraten erwartet. Gerade die Golfstaaten bauen Infrastruktur in geradezu atemberaubender Geschwindigkeit. Wir sind im Begriff, eine Tochtergesellschaft in Abu Dhabi zu gründen, um noch besseren Zugang vor Ort zu haben.

Nicht so offensichtlich ist auf den ersten Blick das Wachstum im NAFTA-Raum, also in Kanada, USA und Mexiko. Insbesondere in den USA, die hier nicht gesondert ausgewiesen sind, sind große Investitionen zu erwarten. Der Grund: Das Netz der US-Güterbahnen ist hoch belastet und muss saniert werden. Zudem erleben Straßenbahnen und Elektrobusse in vielen amerikanischen Metropolen eine Renaissance.

Das alles heißt nicht, dass Europa nicht mehr wichtig wäre. Mit einem Volumen von etwa 40 Prozent des Weltmarkts ist Europa die bedeutendste Region für Bahntechnik – und wird das auch vorerst bleiben. Das moderate Wachstum, das wir hier erwarten, kommt vor allem aus Modernisierungen in Osteuropa und aus der Liberalisierung der Bahnmärkte im Westen. Der internationale Vergleich macht aber deutlich: Wer stark wachsen will, muss frühzeitig in die wirklichen Wachstumsmärkte gehen. Und die liegen derzeit außerhalb Europas.


Das ist das Marktumfeld, in dem wir uns weltweit bewegen und auf das wir die Strategie von Vossloh ausgerichtet haben. Das Unternehmen wird nach drei strategischen Grundsätzen geführt:

Erstens: Fokussiertes Portfolio. Vossloh konzentriert sich auf seine Produkte und Dienstleistungen für die Bahninfrastruktur sowie Schienenfahrzeuge und Elektrobusse. Diese Märkte kennen wir, in diesen Märkten sind wir stark, und diese Märkte wachsen.

Zweitens: Forcierte Internationalisierung. Wir nutzen die Chancen, die sich uns in den Wachstumsmärkten außerhalb Europas bieten. Unser Fokus liegt derzeit auf China, Indien und den USA.

Drittens: Wertorientiertes Wachstum. Rentabilität ist wichtiger als Umsatz. Wir steuern unser Geschäft konsequent nach der Rendite auf das eingesetzte Kapital, dem ROCE. Im Rahmen einer wertorientierten Wachstumsstrategie verfolgt Vossloh vor allem das Ziel, eine überdurchschnittliche Prämie auf die von den Eigen- und Fremdkapitalgebern geforderte Verzinsung, die Kapitalkosten, zu erwirtschaften. Diese Prämie ergibt sich aus der Differenz zwischen dem ROCE und den Kapitalkosten. Zur Erfüllung der Verzinsungserwartung der Kapitalgeber muss der Konzern aktuell einen ROCE von 11 Prozent erwirtschaften. Der Zielwert für den ROCE liegt bei 15 Prozent. Die Prämienerwartung liegt demnach derzeit bei 4 Prozent, bezogen auf das Capital Employed.

Erlauben Sie mir in diesem Kontext ein paar Worte zum Thema Lokomotivengeschäft. Es gab darüber immer wieder Spekulationen am Markt. Tatsache ist: Wir haben längere Zeit über strategische Partnerschaften mit Komponentenlieferanten nachgedacht. Denn unsere Wertschöpfungstiefe ist gering: Wir entwickeln und bauen die Lok, kaufen aber die wesentlichen Komponenten zu. Für derartige Partnerschaften sind wir grundsätzlich weiterhin offen. Andererseits haben wir aber inzwischen unsere Hausaufgaben im Lokomotivengeschäft gemacht, sodass dieses Geschäft wieder Spaß macht: So haben wir es geschafft, dass das einstige Sorgenkind heute in vollem Umfang unsere Renditevorgaben erfüllt. Der Druck, Partnerschaften zu finden, ist nicht mehr so groß.

Meine Damen und Herren,

Ihre Gesellschaft ist auch deshalb in so guter Verfassung, weil der Name Vossloh in den relevanten Märkten für anerkannt hohe Kompetenz steht.


2007 haben wir unser Know-how im Schwerlastschienenverkehr entscheidend verstärkt: durch den Erwerb der beiden amerikanischen Weichenhersteller und der australischen TKL. Unsere elastischen Schienenbefestigungssysteme sind ohnehin für den Schwerlastverkehr hervorragend geeignet, sie bedürfen selbst in Kurven keiner Verstärkung. Vossloh-Spannklemmen sind wartungsärmer, sicherer und länger haltbar als beispielsweise die in den USA weit verbreiteten Schienennägel. Wegen der nachgewiesen niedrigeren Life-Cycle-Kosten setzt die „Class 1“-Eisenbahngesellschaft Burlington Northern Santa Fe, BNSF, jetzt zunehmend unsere Schienenbefestigungssysteme ein. Wir sind dort jetzt bevorzugter Lieferant. Mit dem Begriff „Class 1“ sind die 7 größten Gütertransporteisenbahnen im NAFTA-Raum gemeint.

Vossloh ist einer der weltweit führenden Anbieter von elektrischen Systemen für Straßenbahnen und Elektrobusse. Wir profitieren daher von der Renaissance elektrisch betriebener Verkehrsmittel auch in den NAFTA-Staaten. Wir haben beispielsweise Bahnen in Philadelphia und Busse in Vancouver ausgestattet.


Unser Vorteil als hoch spezialisierter Anbieter ist, dass wir in den Kerngeschäftsfeldern Schienenbefestigungen und Weichen für wirklich jeden denkbaren Anwendungsfall eine Lösung anbieten können. Im Bereich des Fahrwegs, also der Gleise, kommt auch übergreifende Systemkompetenz dazu – das Beispiel Eurotunnel habe ich schon genannt. Bis 2011 liefern wir noch insgesamt 14 Weichen samt Befestigungen und montieren diese auch. Schienenbefestigungen und Weichen im Eurotunnel müssen jedes Jahr insgesamt 100 Millionen Tonnen Belastung aushalten.


2007 untersuchte die Beratungsgesellschaft Mercer Human Resource Consulting die Lebensqualität internationaler Metropolen. Unter den Top-10-Städten fahren übrigens in 6 Metropolen Busse und Bahnen mit elektrischer Ausrüstung von Vossloh Kiepe: Busse in Zürich, Genf, Vancouver und Bern, Stadtbahnen in Wien und Düsseldorf.

Unser serieller Hybridantrieb für den Stadtbus, der zur Energiespeicherung nicht mit Batterien, sondern mit Hochleistungskondensatoren arbeitet, verbraucht im Stadtbetrieb bis zu 35 Prozent weniger Energie. Der von uns ausgestattete Doppelgelenk-Hybridbus für 200 Personen fährt als einziger in Deutschland probeweise im Linienbetrieb – derzeit in Hamburg. Zwei Busse wurden bereits ins benachbarte Ausland verkauft.


Warenverkehr und Güterumschlag nehmen weltweit zu, die aktuelle Klimadiskussion eröffnet dabei die Chance, dass der Schienenverkehr im Split der Verkehrsträger an Bedeutung gewinnt. Vossloh ist in Europa führend bei Diesellokomotiven, sowohl dieselelektrisch als auch dieselhydraulisch angetrieben. Unsere führende Stellung in den hohen Leistungsklassen für den Streckendienst ergänzen wir in diesem Jahr für den wachsenden Bereich des Güterumschlags – die neuen kleineren Modelle werden vom Markt schon erwartet: in Europa für den Einsatz in großen Werken, weltweit in der Rohstoffindustrie, zum Beispiel für den Einsatz in Minen, außerdem im stark wachsenden Hafenverkehr. Unser Vorteil ist, dass wir eine Vielzahl von Länderzulassungen haben – wer heute unsere Lok erwirbt, kann sie morgen im grenzüberschreitenden Verkehr einsetzen, das spart Zeit und Geld.


Auch wenn für die Weltwirtschaft insgesamt heute fast einhellig eine Eintrübung erwartet wird: Wir gehen davon aus, dass wir weiter wachsen werden. Dabei profitiert unser Unternehmen von der Dynamik der Schwellenländer wie China und Indien, die erheblich in Infrastruktur investieren müssen, um ihr eigenes volkswirtschaftliches Wachstum aufrechterhalten zu können. Dies erweist sich derzeit als großer Vorteil für Vossloh.

Ein weiterer Vorteil liegt darin, dass wir tendenziell verlässlicher planen können als Unternehmen anderer Industrien. Unsere Kunden sind öffentliche und private Verkehrsbetreiber, die Investitionsentscheidungen langfristig treffen und nicht aufgrund konjunktureller Abkühlungen von einem Quartal zum nächsten revidieren. Aufträge unserer Kunden decken nicht selten Zeiträume von mehreren Jahren ab. Hinzu kommt, dass die Investitionen der Kunden in den einzelnen Ländern zwar Zyklen unterworfen sind, Vossloh solche Schwankungen aber durch die weltweite Präsenz gut ausgleichen kann.

Auch für die Zukunft dürfen Sie daher von uns erwarten, dass wir diese drei Ziele konsequent verfolgen: Erstens anhaltendes, profitables Wachstum, zweitens eine weitere Internationalisierung und drittens eine Rendite auf das eingesetzte Kapital von 15 Prozent.


Für dieses Jahr und das Jahr 2009 heißt das ganz konkret: Wir bestätigen unsere Planungen, die wir im Dezember vorgelegt haben. Im Jahr 2008 erwarten wir einen Umsatz von 1,34 Milliarden Euro und ein EBIT von rund 142 Millionen Euro. Für das Jahr 2009 erwarten wir bei anhaltend hoher Profitabilität weiteres Wachstum.


Die guten Aussichten sind auch ein Grund dafür, dass sich die Vossloh-Aktie der allgemeinen negativen Entwicklung am Aktienmarkt entziehen konnte. Im Laufe des Jahres 2007 gewann die Aktie 41 Prozent hinzu und stellte damit sowohl den DAX als auch den MDAX in den Schatten. Im ersten Quartal 2008 setzte sich die positive Entwicklung für Vossloh fort: Zwischen Januar und März stieg der Kurs noch einmal um 12 Prozent. Nach dem Ende des ersten Quartals erreichte Vossloh am 5. Mai sogar ein neues Allzeithoch von 99,49 Euro.

Damit gehört Vossloh zu den ganz wenigen MDAX-Werten, die sich seit Beginn der Finanzkrise positiv entwickelt haben.


Sie, verehrte Aktionäre, sollen über die Kurssteigerung hinaus am Unternehmenserfolg teilhaben. Für das abgelaufene Geschäftsjahr möchten wir eine Dividende von 1,70 Euro je Aktie zahlen und bringen Ihnen diesen Vorschlag heute zur Abstimmung. Bezogen auf den Konzernüberschuss entspräche das einer Ausschüttungsquote von etwa 35 Prozent. Unsere Aktionäre würden so gleich doppelt profitieren: von der gestiegenen Marktkapitalisierung und von der erhöhten Dividende.

Für den Anlagezeitraum vom 1. Januar 2007 bis zum 31. März 2008 kommen Sie, unsere Aktionäre, schon mit der in 2007 ausgezahlten Dividende in Höhe von 1,30 Euro auf eine annualisierte Gesamtrendite von 46 Prozent.

Auch künftig wollen wir eine ähnliche Dividendenpolitik fahren. Das heißt, dass steigende Ergebnisse nicht nur weiteren finanziellen Spielraum für Wachstum mit sich bringen sollen, sondern auch attraktive Ausschüttungen. Unsere Richtschnur lautet: Etwa ein Drittel des Konzernüberschusses wollen wir an unsere Aktionäre ausschütten.

Wenn ein Unternehmen so erfolgreich ist wie wir, steigen damit auch die Erwartungen am Kapitalmarkt. Wir haben ehrgeizige Ziele definiert und sind überzeugt, dass wir sie erreichen können.

Auch Analysten trauen uns das zu. Die Mehrheit der Analysten empfiehlt die Vossloh-Aktie derzeit zum Kauf oder zum Halten. Positiv bewerten die Analysten vor allem zweierlei: Erstens die guten Wachstumsperspektiven für die verschiedenen Unternehmensbereiche und zweitens die relativ hohe Transparenz der weiteren Geschäftsentwicklung.

Sehr geehrte Aktionäre, ich würde mich freuen, wenn Sie diese Sichtweise teilten. Sie haben unser Unternehmen nach China, Indien und in die USA begleitet. Begleiten Sie uns auch in die Zukunft.

Vielen Dank.