•     Letzte Aktualisierung 27.4.2010
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Rede des Sprechers des Vorstands

- Es gilt das gesprochene Wort -


„Zukunft mit Mobilität.“

Ansprache vor den Aktionären der Vossloh AG auf der Hauptversammlung am 20. Mai 2009 in Düsseldorf

Werner Andree, Sprecher des Vorstands



Sehr geehrte Aktionäre,
sehr geehrte Aktionärsvertreter,
meine Damen und Herren,

zur Hauptversammlung der Vossloh AG möchte ich Sie, auch im Namen meines Vorstandskollegen Dr. Norbert Schiedeck und unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, herzlich begrüßen. Ich freue mich, dass Sie so zahlreich nach Düsseldorf gekommen sind und damit Ihr Interesse an der Gesellschaft bekunden. Ein weiterer besonderer Gruß gilt den Vertretern der Medien. Sie haben uns wie immer mit wachem Auge und dabei stets fair begleitet – dafür möchte ich an dieser Stelle auch einmal Dank sagen.

Wenn ich das abgelaufene Jahr zusammenfassen soll, kann ich einen Satz aufgreifen, den ich schon im vergangenen Jahr gesagt habe: Erfolg macht erfolgreich. Das operative Geschäft – schon im Vorjahr auf Rekordniveau – ist wieder hervorragend gelaufen. Darüber hinaus haben wir uns vom Geschäftsfeld Infrastructure Services, dem Gleisbau, getrennt, das wir nicht mehr zum Kerngeschäft gezählt haben. So haben wir die Risikostruktur des Konzerns verbessert und gleichzeitig weiteren finanziellen Spielraum gewonnen.


Zum zweiten Mal hintereinander können wir über ein Rekordjahr berichten. Im Berichtsjahr 2008 erzielte Vossloh einen Umsatz von 1,21 Mrd.€ bei einem Ergebnis vor Zinsen und Steuern, kurz EBIT, von 137,7 Mio.€. Im Vorjahr waren es auf vergleichbarer Basis 1,02 Mrd.€ Umsatz und ein EBIT von 111,1 Mio.€ gewesen. Unsere ursprüngliche Planung sah für 2008 – ohne das zwischenzeitlich veräußerte Geschäftsfeld Infrastructure Services – einen Umsatz von 1,13 Mrd.€ und ein EBIT von 131 Mio.€ vor.


Die Rentabilität, gemessen an der Rendite auf das eingesetzte Kapital – kurz ROCE für Return on Capital Employed – , lag 2008 bei 18,8 % und damit deutlich höher als im Jahr zuvor. 2007 hatte der Wert auf vergleichbarer Basis 16,5 % betragen. Die EBIT-Marge erhöhte sich im Berichtsjahr auf 11,4 % von vergleichbaren 10,9 % in 2007. Damit haben wir unsere selbst gesteckten Ziele – 15 % ROCE, 10 % EBIT-Marge – übertroffen.


Der Konzernjahresüberschuss für das Jahr 2008 betrug 139,4 Mio.€. Darin ist das Ergebnis aus nicht fortgeführten Aktivitäten in Höhe von 46,8 Mio.€ enthalten, das auf den Verkauf des Geschäftsfelds Infrastructure Services zurückgeht. Allerdings ist der Konzernjahresüberschuss auch ohne diesen Sondereffekt signifikant gestiegen. Jeweils ohne Ergebnis aus nicht fortgeführten Aktivitäten lag der Konzernjahresüberschuss 2008 bei 92,6 Mio.€ gegenüber 62,9 Mio.€ im Vorjahr.


Ein bedeutendes Ereignis im Berichtsjahr war – wie gesagt – der Verkauf unseres Gleisbaugeschäfts. Am 30. Juni 2008 wurde der Vertrag über die Veräußerung des Geschäftsfelds Vossloh Infrastructure Services unterzeichnet. Die Geschäftstätigkeit dieses Geschäftsfelds umfasste die Errichtung und Instandhaltung von Gleisstrecken sowie die Installation von Oberleitungen. Der feste Gesamtkaufpreis für sämtliche Anteile an der Vossloh Infrastructure Services SA sowie ihrer Tochterunternehmen betrug 150 Mio.€. Mit Freigabe der Transaktion durch die zuständigen Kartellbehörden am 19. September 2008 wurde der Verkauf vollzogen und das veräußerte Geschäftsfeld entkonsolidiert.

Das Geschäftsfeld Infrastructure Services war 2002 beim Erwerb der Cogifer-Gruppe zum Vossloh-Konzern gekommen und entwickelte sich gut. Aber: Große Bauaufträge werden heute zunehmend von international tätigen Projektgesellschaften vergeben. In Folge schärferen Wettbewerbs werden mehr und mehr Risiken auf die bauausführenden Unternehmen abgewälzt. Das Management solcher Risiken im Baubereich ist nicht unsere Kernkompetenz. Eurovia, ein international tätiger Bau- und Infrastrukturspezialist von erheblicher Größe, ist dazu besser in der Lage und damit der bessere Eigentümer.

Die vor wenigen Jahren zum strategischen Ziel erklärte Internationalisierung des Geschäfts mit der damals gesetzten Marke von rund 30 % Umsatz außerhalb Europas sehen wir als erreicht an. In 2008 konnte der Vossloh-Konzern in Europa ein Umsatzplus von fast 14 % erreichen. Außerhalb Europas stiegen die Erlöse um fast ein Drittel. Entsprechend erhöhte sich der Anteil des außerhalb Europas erzielten Umsatzes am Gesamtumsatz um fast drei Prozentpunkte auf 28,2 %. Zielsetzung für die Zukunft muss sein, Wachstumsmärkte unabhängig vom Kontinent noch besser und Märkte, auf denen wir nicht präsent sind, ganz neu zu erschließen. Ich komme darauf im Rahmen des Ausblicks zurück.

Wenngleich auch Unternehmenskäufe, insbesondere im Weichengeschäft, Wachstumsbeiträge lieferten, so war doch insgesamt das organische Wachstum, also Wachstum aus eigener Kraft, tragende Säule unseres Geschäftserfolgs im Jahr 2008. Lassen Sie mich dies anhand der Entwicklung unserer Geschäftseinheiten erläutern.


Der Geschäftsbereich Rail Infrastructure umfasst nach dem Verkauf von Vossloh Infrastructure Services nunmehr die zwei Geschäftsfelder Fastening Systems und Switch Systems. Um eine bessere Vergleichbarkeit zu gewährleisten, haben wir die Beiträge des Geschäftsfelds Infrastructure Services aus den Vorjahresangaben herausgerechnet. Zusammen erzielten Vossloh Fastening Systems und Vossloh Switch Systems im Geschäftsjahr 2008 Umsatzerlöse in Höhe von 707,1 Mio.€. Diese lagen damit um 152,8 Mio.€ oder 27,6 % über dem Wert des Vorjahres. Die Umsatzsteigerung resultiert aus Wachstum in beiden Geschäftsfeldern; Fastening Systems konnte stark aus eigener Kraft wachsen, Switch Systems haben wir gemäß unserer Strategie auch durch Unternehmenskäufe ausgebaut.


Im Jahr 2008 erzielte Vossloh Fastening Systems Umsatzerlöse von 254,9 Mio.€. Damit konnte das Umsatzniveau des Vorjahres um 56,5 Mio.€ beziehungsweise 28,5 % deutlich übertroffen werden. Der Zuwachs wurde ausschließlich außerhalb Deutschlands erwirtschaftet. Dort erzielte das Geschäftsfeld Erlöse von 211,3 Mio.€. Diese lagen um 60,1 Mio.€ oder 39,7 % über dem Wert des Vorjahres. Größter Markt blieb auch 2008 China. Für die im Herbst 2006 erhaltenen chinesischen Großaufträge im Gesamtvolumen von 185 Mio.€ lieferte Vossloh in 2008 Befestigungssysteme im Wert von rund 86 Mio.€.


Vossloh Switch Systems erzielte in 2008 mit 453,6 Mio.€ den höchsten Umsatz seiner Geschichte. Gegenüber dem Vorjahr stieg der Umsatz um 96,3 Mio.€ oder 26,9 %. Dieser Zuwachs war zu einem großen Teil akquisitionsbedingt: Die 2008 erstmals konsolidierten Gesellschaften in Australien, Dänemark und den Niederlanden trugen insgesamt 42,7 Mio.€ zum Umsatzwachstum bei. Die Erlöse der beiden in 2007 erworbenen US-Tochtergesellschaften Vossloh Track Material, Inc. und Cleveland Track Material, Inc. schlugen 2008 mit 84,8 Mio.€ zu Buche. Im Vorjahr, in dem die Gesellschaften erst ab dem zweiten Quartal zu berücksichtigen gewesen waren, betrug der Umsatz 53,2 Mio.€. Auch bereinigt um diese Akquisitionen konnte Vossloh Switch Systems in 2008 deutlich wachsen. Das organische Wachstum aller übrigen Gesellschaften betrug rund 7 %.


Die Umsätze im Geschäftsbereich Motive Power&Components, bestehend aus den beiden Geschäftsfeldern Vossloh Locomotives und Vossloh Electrical Systems, stiegen in 2008 um 36,1 Mio.€ beziehungsweise 7,7 % auf jetzt 505,0 Mio.€.


Der Umsatz des Geschäftsfelds Locomotives stieg von 340,5 Mio.€ in 2007 um 34,7 Mio.€ oder 10,2 % auf 375,2 Mio.€ im Berichtszeitraum. Vossloh España einschließlich des Instandhaltungsgeschäfts erzielte im Jahr 2008 Umsatzerlöse von 217,2 Mio.€ und damit rund 58 % der Gesamtumsätze des Geschäftsfelds. Unser spanischer Standort erzielte etwa die Hälfte des Umsatzes mit Lokomotiven, die andere Hälfte mit Nahverkehrsbahnen und Drehgestellen. Der Absatz von Mittelführerhaus-Loks unserer Kieler Gesellschaft war auch in 2008 im Wesentlichen durch Aufträge von privaten Bahnbetreibern und Leasinggesellschaften geprägt. Der Standort Kiel verzeichnete im Berichtsjahr Erlöse in Höhe von 158,7 Mio.€ und legte damit um fast 9 % gegenüber dem Vorjahr zu. 2007 waren 146,2 Mio.€ Umsatz erzielt worden. Der Auftragsbestand von Vossloh Locomotives lag zum Jahresende 2008 bei 531,4 Mio.€ (Vorjahr: 543,1 Mio.€). Das entspricht einer rechnerischen Auftragsreichweite von rund 17 Monaten.


Das Geschäftsfeld Electrical Systems steigerte den Umsatz im Vergleich zum Vorjahr auf hohem Niveau um 1,1 % auf 129,8 Mio.€. International nach wie vor hoch ist die Nachfrage nach elektrisch angetriebenen Bussen mit und ohne Oberleitungsanbindung. Diese Fahrzeuge gewinnen aktuell weiter an Attraktivität – durch neue Energiespeichersysteme und die Verfügbarkeit von Großfahrzeugen bis hin zu Doppelgelenkbussen, die eine hohe Fahrgastkapazität von bis zu 200 Personen bieten. Unser Hybridantrieb für Busse ist serienreif; er ist in vielen Städten Europas im Probebetrieb gelaufen. Eine erste Bestellung liegt aus Luxemburg vor. Elektrische Ausrüstungen für Straßen- und Stadtbahnen wurden 2008 wieder in zahlreiche Länder geliefert. Erstmals wurde auch ein Projekt für ein afrikanisches Land realisiert: Nach Ghana lieferte Vossloh Kiepe Antriebs- und Bordnetzumrichter für zwei dieselelektrische Triebwagenzüge.


Zurück zum Gesamtkonzern. Das Thema Kosten haben wir auch in diesem Jahr im Blick behalten. Die Herstellungskosten im Konzern stiegen zwar um etwas mehr als 20 % auf 958,9 Mio.€. Der Anstieg bewegte sich leicht über dem Niveau des Umsatzzuwachses, die Herstellungskostenquote stieg gegenüber 2007 von 78,0 % auf 79,1 %. Preissteigerungen, von denen vor allem Stahlerzeugnisse für die Produktion von Weichen und Schienenbefestigungen und einige Komponenten für die Lokomotivfertigung betroffen waren, wurden – sofern eine Weitergabe an Kunden nicht möglich war – durch Kostensenkungsmaßnahmen, Verbesserungen in der Produktivität und Kostendegressionseffekte weitgehend ausgeglichen. Die Vertriebs- und Verwaltungskosten sind um 7,5 Mio.€ auf 128,8 Mio.€ gestiegen, zurückzuführen auf die erstmalige Einbeziehung von Akquisitionen und auf höhere Vertriebskosten im Zusammenhang mit der deutlichen Geschäftsausweitung.

Das Verhältnis der Vertriebs- und Verwaltungskosten zu den Umsatzerlösen ging aber gegenüber dem Vorjahr merklich von 11,9 % auf 10,6 % zurück.

Die signifikante Ausweitung der Umsatzerlöse, die Kompensation der verminderten Bruttomarge durch einen nur moderaten Anstieg der Vertriebs- und Verwaltungskosten sowie ein höheres sonstiges Ergebnis waren ursächlich für den überproportionalen EBIT-Zuwachs um fast 24 % von 111,1 Mio.€ in 2007 auf nunmehr 137,7 Mio.€ im Geschäftsjahr 2008.


Motivation und Tatkraft unserer fast 4.700 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter tragen wesentlich zum Erfolg bei. Die Wertschöpfung pro Mitarbeiter – ermittelt aus der Differenz zwischen Gesamtleistung und Vorleistungen sowie Abschreibungen – stieg um 3,7 % auf 78,7 T€ und erhöhte sich damit deutlich stärker als der durchschnittliche Personalaufwand. Der Pro-Kopf-Umsatz betrug im Jahr 2008 261,9 T€ gegenüber 251,7 T€ im Vorjahr, was einem Zuwachs von 4,1 % entspricht.

Die Vossloh-Mannschaft hat wieder erfolgreich ein beträchtliches Aufgabenpaket bewältigt, in Deutschland, in Europa oder in irgendeinem der mehr als 100 Länder, in denen Vossloh aktiv ist. All diesen Mitarbeitern, die solches möglich gemacht haben, möchte ich, auch im Namen meines Vorstandskollegen Dr. Norbert Schiedeck, herzlich danken.

Ich habe im vergangenen Jahr an dieser Stelle gesagt, dass Erfolg Zufriedenheit und Ausgeglichenheit erzeugt, dass ein positives Betriebsklima die Folge ist. Das kann und will ich heute wiederholen.

Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind hoch qualifiziert, hoch motiviert und überdurchschnittlich engagiert. Die Fluktuation ist unverändert sehr niedrig. Mit dieser Belegschaft sehen wir herausfordernden Aufgaben ein Stück weit gelassener entgegen.


Dass wir auch für künftiges Wachstum gewappnet sind, können Sie aus unseren Bilanzkennziffern herauslesen. Zum 31. Dezember 2008 betrug das Nettofinanzvermögen des Vossloh-Konzerns 35,0 Mio.€. Das Geschäftsjahr 2007 hatte der Konzern noch mit einer Nettofinanzschuld von 124,9 Mio.€ abgeschlossen.

Was heißt das eigentlich? Das heißt, wir besaßen Ende 2008 mehr flüssige Mittel als Finanzverbindlichkeiten. Mit anderen Worten, und das gilt auch noch heute: Vossloh ist praktisch schuldenfrei. Wir verfügen damit über eine hohe finanzielle Flexibilität, die gerade heute keine Selbstverständlichkeit ist. Refinanzierungsprobleme kennen wir derzeit nicht. Wenn Sie sich die Struktur unserer Finanzverbindlichkeiten anschauen, werden Sie einen weiteren Pluspunkt erkennen. Unsere Finanzverbindlichkeiten bestehen überwiegend aus langfristigen Fremdmitteln, die wir im Jahr 2004 über ein US-Private-Placement aufgenommen haben. Die aufgenommenen Mittel sind 2014 bzw. 2016 endfällig zurück zu zahlen. Wir haben seinerzeit einen jährlichen Zinssatz von rund 5,4 % vereinbart. In der gegenwärtigen Kapitalmarktsituation ist eine Refinanzierung zu einem vergleichbaren Zinssatz kaum möglich. Es mehren sich zudem die Stimmen, die für die folgenden Jahre einen deutlichen Anstieg der Inflation erwarten. Das Zinsniveau dürfte also tendenziell nicht sinken. Vossloh steht somit in doppelter Hinsicht gut da: Wir haben einerseits einen hohen Bestand an flüssigen Mitteln, der uns sehr flexibel agieren lässt, andererseits haben wir für die nächsten 5 bis 7 Jahre sehr gute Fremdkapitalkonditionen fixiert.


Der gegenüber 2007 deutlich höhere Cashflow aus der Geschäftstätigkeit resultiert zum einen aus dem gegenüber 2007 höheren Ergebnis und den deutlich geringeren Ausgaben für den Aufbau von Working Capital. Aus der Investitions- beziehungsweise Desinvestitionstätigkeit ergaben sich 2008 im Saldo Mittelzuflüsse von 101,6 Mio.€ gegenüber Mittelabflüssen in Höhe von 123,6 Mio.€ im Jahr 2007. Mittelzuflüssen aus dem Verkauf der Vossloh Infrastructure Services in Höhe von 145,0 Mio.€ standen vor allem Auszahlungen für Akquisitionen von 15,2 Mio.€ und für Investitionen in immaterielle Vermögenswerte und Sachanlagen von zusammen 37,6 Mio.€ gegenüber.


Die Substanz des Unternehmens haben wir weiter gestärkt: In 2008 lagen die Investitionen wieder deutlich über den Abschreibungen von 22,8 Mio.€. Neben Aufwendungen des Geschäftsfelds Fastening Systems für die Produktionsstätte in der Türkei investierten beide Geschäftsfelder des Geschäftsbereichs Rail Infrastructure im Wesentlichen in die Produktivität ihrer Werke und in die Erweiterung von Kapazitäten. An beiden Lok-Standorten stand wie schon in den Vorjahren die Entwicklung neuer Produkte im Mittelpunkt der Investitionstätigkeit. Neben der Neuentwicklung der dreiachsigen Mittelführerhaus-Lok G 6 stand die Weiterentwicklung der dieselelektrischen Großlokomotive EURO 4000 im Fokus.

Am 6. März 2009 eröffnete das Geschäftsfeld Fastening Systems die erheblich ausgebaute Produktionsstätte für Schienenbefestigungssysteme in Erzincan in der Ost-Türkei. Jährlich sollen dort mit rund 55 Mitarbeitern etwa acht Millionen Spannklemmen hergestellt werden. Die Fabrik wird insbesondere die Lieferungen für den Ausbau des türkischen Hochgeschwindigkeitsnetzes übernehmen.


Zum 31. Dezember 2008 lag der Auftragsbestand im Konzern in Summe kaum verändert bei 1,13 Mrd.€; ein Jahr zuvor waren es 1,14 Mrd.€ gewesen. Im ersten Quartal 2009, um das vorwegzunehmen, hat sich der Auftragsbestand sogar wieder auf 1,18 Mrd.€ erhöht. Wir haben also rechnerisch nahezu den Umsatz eines Jahres in den Auftragsbüchern.

Im Geschäftsfeld Fastening Systems ging der hohe Auftragsbestand vor allem durch die planmäßige Abarbeitung des chinesischen Großauftrags im Vergleich zum Vorjahr um 64 Mio.€ zurück. Das Geschäftsfeld Switch Systems verbuchte 25 % mehr Auftragseingang, entsprechend stieg auch der Auftragsbestand an. Bei Vossloh Locomotives gab es nur leichte Veränderungen: Kiel verzeichnete einen leicht höheren Auftragsbestand als im Vorjahr, Valencia einen etwas niedrigeren. Das Geschäftsfeld Electrical Systems konnte durch den um 24 % gestiegenen Auftragseingang in 2008 auch beim Auftragsbestand merklich zulegen.


Trotz der schwierigen Lage der Weltwirtschaft konnten wir das erste Quartal des Berichtsjahres 2009 auf hohem Niveau abschließen. Der Umsatz des Vossloh-Konzerns blieb mit 288,9 Mio.€ gegenüber 288,4 Mio.€ im Vergleichszeitraum auf dem guten Niveau des Vorjahres. Das Ergebnis vor Zinsen und Ertragsteuern konnten wir leicht um 0,7 % auf 30,5 Mio.€ steigern.


Der Return on Capital Employed lag im ersten Quartal 2009 bei 19,5 %, nach 20,5 % im ersten Quartal 2008. Die EBIT-Marge legte leicht um 10 Basispunkte auf 10,6 % zu. Beide Steuerungsgrößen liegen damit über unseren Zielwerten. Der Konzernüberschuss kletterte von 19,4 Mio.€ im Vorjahr um knapp 5 % auf 20,3 Mio.€.


Ab diesem ersten Zwischenbericht des Geschäftsjahres 2009 werden Sie eine bislang nicht veröffentlichte Steuerungskennziffer vorfinden – den Wertbeitrag. Wir passen damit die künftige Segmentberichterstattung im Sinne der IFRS-Bilanzierungsregeln an die interne Berichterstattung und wirtschaftliche Steuerung des Konzerns an. Für unsere Anteilseigner und den Kapitalmarkt können wir die Transparenz so bis hinunter auf Geschäftsfeldebene noch einmal erhöhen. Der Wertbeitrag als Kennzahl ist zudem eine kompatible Messgröße für unsere Strategie, wertorientiert wachsen zu wollen. Ziel ist es, eine Überrendite oder Prämie auf die von Eigen- und Fremdkapitalgebern geforderte Verzinsung zu erwirtschaften, die momentan bei 11 % vor Steuern liegt. Im ersten Quartal 2009 lag der Wertbeitrag des Vossloh-Konzerns bei 13,3 Mio.€. Im Zusammenhang mit der Ermittlung des Wertbeitrags haben wir die Definition des Return on Capital Employed umgestellt; das Capital Employed fließt nicht mehr als Stichtagswert, sondern als Periodendurchschnitt ein. Zudem werden die kurzfristigen sonstigen Rückstellungen wie inzwischen weitgehend üblich vom Working Capital abgezogen.

Meine Damen und Herren, wir sehen uns derzeit dem schärfsten wirtschaftlichen Abschwung seit dem Zweiten Weltkrieg gegenüber. Das Vossloh-Geschäft ist bislang von dieser Krise relativ unbeeindruckt verlaufen, ich habe Ihnen ja gerade über das Rekordjahr 2008 und ein ordentliches erstes Quartal 2009 berichten können. Wir sind durch die Eigenarten unserer Märkte ein wenig bevorzugt, weil im Bahnmarkt generell langfristiger geplant wird. Wir sind aber nicht, wie bisweilen zu lesen war, ein Krisengewinner. Kurzfristig profitieren wir nur sehr begrenzt von staatlichen Infrastrukturprogrammen. Eine Eisenbahnstrecke wird schließlich nicht von heute auf morgen beschlossen und gebaut. Wie wir uns die nähere Zukunft im Einzelnen vorstellen, darauf komme ich nun.

„Zukunft mit Mobilität“ ist das Motto, unter das wir unseren diesjährigen Geschäftsbericht gestellt haben. Wir glauben an die Zukunft des schienengebundenen Verkehrs. Das Management von Vossloh sieht aus diesem Grund neben den Risiken der aktuellen wirtschaftlichen Entwicklung auch beachtliche Chancen für das künftige Geschäft.

Der Internationale Währungsfonds erwartet 2009 das niedrigste Wachstum der Weltwirtschaft seit dem Zweiten Weltkrieg. Wir gehen aber davon aus, dass durch die relevanten globalen Trends – Urbanisierung, Deregulierung staatlicher Eisenbahnsysteme, Zunahme beim Wettbewerb der Verkehrsträger und nicht zuletzt Klimaschutzanstrengungen – zusätzliche Nachfrage nach schienengebundener Infrastruktur und umweltfreundlichen Fahrzeugen entstehen wird.

Hinzu kommt, dass die Investitionen der Auftraggeber in den einzelnen Ländern zwar Zyklen unterworfen sind, die Geschäftsfelder von Vossloh aber durch ihre internationale Präsenz in der Vergangenheit regionale Schwankungen meistens ausgleichen konnten. Durch die Synchronität des weltweiten Abschwungs wird diese Kompensation allerdings in näherer Zukunft weniger effektiv sein. Andererseits haben mehrere Länder im Rahmen ihrer Konjunkturpakete Investitionen in schienengebundene Infrastruktur angekündigt, darunter Russland, China und auch Deutschland. Nach neuesten Berechnungen unseres europäischen Branchenverbands UNIFE stehen für Konjunkturmaßnahmen im Bereich des schienengebundenen Verkehrs in der Europäischen Union 20 Mrd.€ bereit, in China 85 Mrd.€.

Wir beobachten, dass das Investitionsverhalten unserer privaten Kunden derzeit extrem zurückhaltend ist, insbesondere aus dem Bereich Güterverkehr. Wir müssen uns darauf einstellen, dass wir hier eine Durststrecke überwinden müssen. Relevant ist dies insbesondere für unser Lokomotivengeschäft, weil Dieselloks hauptsächlich im derzeit von der Krise besonders betroffenen Frachtverkehr eingesetzt werden. Über den Erwartungen liegende Erfolge an anderer Stelle im Konzern sollten dies jedoch kompensieren können.

Grundsätzlich sind alle Bereiche der Mobilität für die künftige Entwicklung des Vossloh-Geschäfts von Bedeutung, das heißt: Frachtverkehr, Personenfernverkehr und Nahverkehr.

Stichwort Frachtverkehr: Zwar gehen Frachtvolumina zurück, wenn die Wirtschaftsleistung schrumpft. Die Faustformel, wonach das Frachtaufkommen doppelt so stark wächst wie die Wirtschaftsleistung, gilt leider positiv wie negativ. Aber das ist ein zeitlich begrenztes Problem. Konsumregionen und Produktionsregionen sind weltweit bereits auseinandergefallen. Güteraustausch über große Entfernungen wird es daher auch in Zukunft geben. Umweltverträglichkeit und Energieeffizienz werden an Bedeutung gewinnen. Wir sehen darin die Chance, dass der Schienenverkehr seine Bedeutung im Mix der Verkehrsträger ausbauen kann. Es besteht ferner unverändert der Bedarf, die europäischen Frachtkorridore auszubauen. Gerade im Frachtverkehr kann die Bahn besonders punkten, vor allem, wenn schwere oder voluminöse Güter bewegt werden müssen – ein Vorteil, der in der globalisierten Wirtschaft noch stärker zum Tragen kommt. Bewegten sich Güterbahnen früher traditionell vor allem in regionalem bis nationalem Maßstab, so werden künftig grenz- oder gar kontinentüberschreitende Verbindungen immer wichtiger. Ein Signal für die Zukunft setzte hier im Herbst 2008 der Trans-Eurasia-Express. Voll beladen mit 50 Containern, legte er die rund 10.000 Kilometer von Peking nach Hamburg in 17 Tagen zurück – ein Drittel schneller als ein Schiff und 75 % preiswerter als der Transport per Flugzeug.

Stichwort Personenfernverkehr: Der Ausbau der Hochgeschwindigkeitsnetze wird weltweit vorangetrieben. Die Bahn ist ein umweltverträgliches Verkehrsmittel. Ein Hochgeschwindigkeitszug emittiert vergleichsweise wenig CO2. In den wachstumsstarken Regionen der Welt ist die Eisenbahn das Transportmittel der Wahl, weil Züge eine hohe Kapazität bieten und weite Distanzen überwinden können – zu vergleichsweise geringen Kosten. Im Personenfernverkehr haben in Europa die komfortablen Hochgeschwindigkeitszüge bereits beträchtliche Marktanteile bei den Stadt-zu-Stadt-Verbindungen gewonnen – vor allem bei Reisezeiten unter dreieinhalb bis vier Stunden. Ein gutes Beispiel ist die Strecke Madrid–Barcelona: Hier lief das High-Speed-Angebot auf der Schiene innerhalb kurzer Zeit einer der meistgenutzten Flugverbindungen der Welt den Rang ab. Auch auf der Strecke Frankfurt/Main–Paris erreicht der Hochgeschwindigkeitszug bereits einen Marktanteil von rund 90 %.

Stichwort Nahverkehr: Urbanisierung ist ein weltweiter Trend. Seit dem Jahr 2007 wohnt mehr als die Hälfte der Menschen auf der Welt in Städten. Nach Prognosen der Vereinten Nationen wird der Anteil der städtischen Bevölkerung bis 2030 weltweit auf über 60 % steigen, bis 2050 auf 70 %. Die räumliche Distanz zwischen Wohnen, Arbeiten und Freizeit erzeugt enorme Pendlerströme. Der innerstädtische Verkehr schwillt mit zunehmenden Einwohnerzahlen ebenso an wie der Stadt-Umland-Verkehr. Das Verkehrsaufkommen steigt kontinuierlich an, gleichzeitig bleibt der Platz für Verkehrsflächen begrenzt. Insbesondere Bahnsysteme können Abhilfe schaffen. Deren Kapazität ist vergleichsweise hoch. Langfristig sinnvoll sicherstellen lässt sich die Mobilität Tausender Menschen auf engem Raum nur mithilfe leistungsfähiger Massentransportsysteme – mit Straßen-, Stadt- und U-Bahnen sowie Bussen und Elektrobussen. Im Personennahverkehr ist deshalb seit einigen Jahren weltweit eine Renaissance der Stadt- und Straßenbahnen zu beobachten. Nicht nur Wachstumsländer wie China und Indien setzen auf die Schiene. Selbst in den USA, noch immer der Inbegriff des „Autolands“, investieren Städte wie Houston, Dallas oder Denver in moderne Straßenbahnen. Dabei spielen auch Klimaschutzargumente und das Wissen um die Endlichkeit fossiler Brennstoffe wie Erdöl eine Rolle.

Wenn im schottischen Edinburgh 2011 nach über 50 Jahren Pause wieder Straßenbahnen das Stadtbild prägen werden, arbeitet im Inneren Technik von Vossloh Kiepe. Wir liefern sämtliche Antriebseinheiten für die neue Tramway. Die über 40 Meter langen Fahrzeuge mit Platz für rund 250 Passagiere werden dann die größten sein, die im Vereinigten Königreich unterwegs sind.


Die Rollenverteilung unter den Verkehrsträgern werde sich weiter zugunsten der Schiene verschieben, stellt eine UNIFE-Studie fest, die den Bahnmarkt der Gegenwart und der Zukunft beleuchtet. Und diese Verschiebung werde zusätzliche Investitionen vor allem in die Schieneninfrastruktur, in Fahrzeuge und rollendes Material, in Steuerungs- und Überwachungssysteme sowie in Serviceleistungen zur Folge haben. Betrug das Gesamtvolumen des weltweiten Bahnmarktes im Jahr 2007 rund 122 Mrd.€, so soll es bis 2016 auf 150 Mrd.€ steigen – also um durchschnittlich 2,9 % pro Jahr. Deutlich über dem Schnitt liegen dabei der Nahverkehr mit einem prognostizierten Wachstum von 3,4 % pro Jahr und vor allem der Hochgeschwindigkeitsverkehr, dem die Studie ein weiteres Plus von 7,2 % pro Jahr vorhersagt. Regional das höchste Marktwachstum erwarten die Fachleute in Asien. Auch das Marktvolumen in Osteuropa und der GUS werde bis 2016 überdurchschnittlich steigen. Dennoch werde Westeuropa mit einem Anteil von rund 35 % am Gesamtvolumen der größte und wichtigste Einzelmarkt bleiben.


Das Management von Vossloh glaubt auf der Grundlage dieser Überlegungen, trotz Wirtschaftskrise moderates Wachstum erzielen zu können. Dies basiert auf der Annahme, dass sich die Nachfrage in Nordamerika im weiteren Jahresverlauf beleben wird und es in China im zweiten Quartal 2009 zu Folgeaufträgen kommen wird. Vossloh geht für das Jahr 2009 von einem Umsatz von rund 1,29 Mrd.€ aus und erwartet ein Ergebnis vor Steuern und Zinsen von 138 Mio.€. Aufgrund einer höheren Steuerquote wird der erwartete Konzernüberschuss des Jahres 2009 mit 86 Mio.€ leicht unter dem um die Ergebnisbestandteile aus „nicht fortgeführten Aktivitäten“ in Höhe von 46,8 Mio.€ bereinigten Wert des Jahres 2008 liegen. Der Return on Capital Employed wird nach der aktuellen Planung im Geschäftsjahr 2009 den Zielwert von 15 % deutlich übertreffen. Ebenfalls über dem Zielwert wird aus heutiger Sicht die EBIT-Marge im Jahr 2009 liegen: Sie soll mit gut 10 % über der selbst gesetzten Schwelle bleiben. Beim Ergebnis je Aktie erwartet Vossloh im Jahr 2009 6,37 €.

Für das Jahr 2010 erwartet Vossloh weiteres Wachstum bei Umsatz und Ergebnis.

Nach der aktuellen Planung werden beide Geschäftsbereiche – Rail Infrastructure und Motive Power&Components – zum Umsatzwachstum der nächsten beiden Jahre beitragen.

Der Geschäftsbereich Rail Infrastructure soll bis zum Jahr 2010, den Planungen entsprechend, auf ein Umsatzvolumen von über 800 Mio.€ kommen. Nachfragesteigerungen werden in nahezu allen Regionen erwartet, neben Asien insbesondere in Osteuropa, den MENA-Staaten und auf dem amerikanischen Kontinent. EBIT-Marge und ROCE sollten nachhaltig deutlich über den Zielwerten bleiben.

Mit guten Auftragsbeständen erwarten die beiden Geschäftsfelder des Geschäftsbereichs Motive Power&Components eine Fortsetzung der ansprechenden Geschäftsentwicklung. Vossloh Locomotives plant für 2009 und 2010 eine moderate Ausweitung des Umsatzvolumens. Vor allem der Standort Valencia verfügt über Auftragsbestände, die rechnerisch deutlich über das Jahr 2009 hinausreichen. Vossloh Electrical Systems geht vor dem Hintergrund einer rechnerischen Auftragsreichweite von fast zwei Jahren von hohen Umsatzsteigerungen aus. Insgesamt sollte der Geschäftsbereich Motive Power&Components bis zum Jahr 2010 auf Umsätze von über 500 Mio.€ wachsen. Im Geschäftsbereich Motive Power&Components soll der ROCE nachhaltig über der als Ziel definierten Marke von 15 % liegen.

Wir haben durch gezielte Stärkung unserer Vertriebsstruktur die Voraussetzungen geschaffen, die überdurchschnittlichen und zum Teil neuen Marktchancen auch außerhalb Europas ergreifen zu können.

Zur Stärkung unserer Marktpositionen und für mehr Wachstum stellen wir in den kommenden zwei Jahren jeweils rund 60 Mio.€ bereit. Dabei stehen Modernisierungen und Kapazitätserweiterungen für den Geschäftsbereich Rail Infrastructure und das Geschäftsfeld Electrical Systems im Mittelpunkt. An unseren Lokomotivstandorten konzentrieren wir uns auf die Entwicklung neuer Produkte.

Auf Basis des geplanten organischen Wachstums und der daraus zu erwartenden Mittelzuflüsse wird die Nettoverschuldung von Vossloh trotz der hohen Investitionen sowohl im Jahr 2009 als auch im Jahr 2010 niedrig bleiben.

Die Entwicklung der Mitarbeiterzahl wird sich im Jahr 2009 weiter am Geschäftsvolumen orientieren. Durchschnittlich dürften im laufenden Jahr rund 4.800 Beschäftigte für Vossloh tätig sein.

Organisches Wachstum steht ebenso im Fokus der Zielsetzungen von Vossloh für die kommenden Jahre wie die gezielte Suche nach Akquisitionen, die das bestehende Portfolio strategisch gut ergänzen. Dies betrifft sowohl mögliche geografische Erweiterungen im Bereich Weichen als auch zusätzliche Produkte und Dienstleistungen in der Schieneninfrastruktur sowie im Geschäftsbereich Motive Power&Components.

Solche Akquisitionen sollen zum einen die Wertschöpfungsstrukturen des Konzerns optimieren und zum anderen zusätzliche Wachstumschancen für die Vossloh-Gruppe erschließen. Größere Akquisitionen sollen die Kernkompetenzen des Konzerns in den Bereichen Mobilität und Verkehr sinnvoll ergänzen. Grundsätzlich sollen Akquisitionen von Anfang an die Konzernvorgaben erfüllen und zum wertorientierten Wachstum beitragen.

Bevor ich abschließend zum Thema Vossloh-Aktie komme, erlauben Sie mir zuvor noch Anmerkungen zur Tagesordnung.

Obwohl die Gesellschaft derzeit 10 % eigene Aktien hält, bitten wir Sie erneut um eine Ermächtigung zum Erwerb und zur Verwendung eigener Aktien sowie zum Ausschluss des Bezugs- und Andienungsrechts. Zum Erwerb eigener Aktien bedarf die Gesellschaft, soweit nicht gesetzlich ausdrücklich zugelassen, der Ermächtigung durch die Hauptversammlung. Die derzeit bestehende, durch die Hauptversammlung vom 21. Mai 2008 erteilte Ermächtigung zum Erwerb eigener Aktien ist bis zum 20. November 2009 befristet. Da diese Frist vor der nächsten ordentlichen Hauptversammlung ablaufen wird, schlagen wir der Hauptversammlung vor, der Gesellschaft erneut eine Ermächtigung zum Erwerb eigener Aktien zu erteilen.

Ich möchte hier ausdrücklich darauf hinweisen, dass auf die erworbenen Aktien zusammen mit anderen eigenen Aktien, die sich im Besitz der Gesellschaft befinden oder ihr nach den §§ 71a ff. AktG zuzurechnen sind, zu keinem Zeitpunkt mehr als zehn vom Hundert des Grundkapitals entfallen dürfen. Mit anderen Worten, solange wir nicht entschieden haben, was mit den derzeit im Bestand befindlichen eigenen Aktien passiert, können wir von der neuen Ermächtigung keinen Gebrauch machen. Ich möchte hervorheben, dass die Ermächtigung nicht zum Zwecke des Handels in eigenen Aktien ausgenutzt werden darf. Die eigenen Aktien dürfen aber beispielsweise als Akquisitionswährung eingesetzt oder können eingezogen werden.

Unter Punkt 7 der Tagesordnung wird die Schaffung eines neuen genehmigten Kapitals in Höhe von bis zu Euro 7.500.000 durch Ausgabe von neuen, auf den Inhaber lautenden Stückaktien gegen Bar- und/oder Sacheinlagen vorgeschlagen (Genehmigtes Kapital). Mit dem vorgeschlagenen Genehmigten Kapital versetzen Sie den Vorstand der Gesellschaft in einem angemessenen Rahmen in die Lage, die Eigenkapitalausstattung der Gesellschaft jederzeit den geschäftlichen Erfordernissen anzupassen und in den sich wandelnden Märkten im Interesse ihrer Aktionäre schnell und flexibel zu handeln. Im Verhältnis zum vorhandenen Kapital ergibt sich für das genehmigte Kapital eine Relation von 1 zu 5, das heißt, unser Vorschlag an die Hauptversammlung für ein genehmigtes Kapital ist begrenzt auf maximal 20 Prozent des vorhandenen Grundkapitals. Der Vorstand sieht es als seine Pflicht an, dafür zu sorgen, dass die Gesellschaft – unabhängig von konkreten Ausnutzungsplänen – stets über die notwendigen Instrumente für eine Kapitalbeschaffung verfügt. Da Entscheidungen über die Deckung eines Kapitalbedarfs in der Regel kurzfristig zu treffen sind, ist es wichtig, dass die Gesellschaft hierbei nicht vom Rhythmus der jährlichen Hauptversammlung beziehungsweise von Einberufungsfristen für eine außerordentliche Hauptversammlung abhängig ist. Mit dem Instrument des genehmigten Kapitals hat der Gesetzgeber diesem Erfordernis Rechnung getragen. Gängige Anlässe für die Inanspruchnahme eines genehmigten Kapitals sind die Stärkung der Eigenkapitalbasis und die Finanzierung von Beteiligungserwerben.

Mit den beiden vorgeschlagenen Vorratsbeschlüssen zu eigenen Aktien und zur Schaffung eines neuen genehmigten Kapitals bitten wir Sie darum, der Unternehmensleitung Spielraum nicht zuletzt für mögliche Akquisitionen zu verschaffen. Die Möglichkeit, auch kurzfristig über die vorgeschlagenen Handlungsoptionen verfügen zu können, kann insbesondere bei Unternehmenserwerben erfolgsentscheidend sein.


Zu unserer Aktie. Im schwierigen Börsenjahr 2008 zeigte sich die Vossloh-Aktie deutlich erfolgreicher als der Markt. Nachdem das Papier das Vorjahr mit einem Schlusskurs von 80,10 € beendet hatte, entwickelte es sich 2008 entgegen dem allgemeinen Trend positiv und erreichte am 5. Mai ein neues Allzeithoch von 99,49 €. In den Folgemonaten konnte sich die Aktie jedoch nicht vollständig von den Korrekturen des Gesamtmarktes abkoppeln und folgte der allgemeinen Abwärtsbewegung auf ein Jahrestief von 45,41 € am 29. Oktober. Mit Bekanntgabe der erneut guten Neunmonatszahlen und der nach oben korrigierten Prognose für das Gesamtjahr gewann die Aktie gegen den allgemeinen Abwärtstrend an Stärke. Bis zum Jahresende glich die Vossloh-Aktie vorherige Verluste nahezu aus und schloss am letzten Handelstag bei 79,49 €. Mit einem Kursrückgang von unter 1 % auf Jahressicht übertraf ihre Performance signifikant die von DAX und MDAX.

Im Vergleich aller MDAX-Aktien stand Vossloh zum Jahresende 2008 auf Platz 3 der Wertentwicklung im Jahr 2008. Entsprechend lag die Marktkapitalisierung der Vossloh AG mit 1.104,0 Mio.€ zum 30.12.2008 nur knapp unter dem Wert des Vorjahresstichtages (1.185,1 Mio.€). Mit 27,9 Mio. Stück übertraf das Handelsvolumen in der Aktie erneut den Rekordwert von 2007 und stieg um rund 3,9 Mio. Stück beziehungsweise 16 %. Im Durchschnitt wurden 2008 täglich 109.900 Vossloh-Aktien gehandelt, 14.500 Stück mehr als im Jahr zuvor. Auf der MDAX-Rangliste der Deutschen Börse zum Jahresende 2008 rückte die Vossloh AG im Vergleich zum Ende des Vorjahres deutlich nach oben. Die Vossloh-Aktie stieg im Dezember 2008 in der Kategorie Marktkapitalisierung von Platz 43 (Stand Ende Dezember 2007) auf 23; bei den im Gesamtjahr gehandelten Volumina nahm sie Rang 29 ein (Dezember 2007: Platz 44).


Im ersten Quartal 2009 zeigte sich die Vossloh-Aktie erneut deutlich stabiler als die Vergleichsindizes. Nachdem das Papier am 24. März seinem Quartals-Höchstkurs von 86,63 € verzeichnet hatte, ging es am 31. März mit 79,89 € aus dem Handel. Dies entspricht einem Kursplus von 0,5 % in den ersten drei Monaten 2009. Der DAX büßte zum Vergleich seit Jahresanfang insgesamt rund 15 % ein. Der MDAX, in dem die Vossloh-Aktie notiert ist, verzeichnete mit einem Minus von fast 21 % im Quartalsverlauf sogar einen noch größeren Verlust als der DAX, weil er weniger von der zum Quartalsende freundlicheren Stimmung der Märkte profitieren konnte.


Vorstand und Aufsichtsrat der Vossloh AG schlagen der heutigen Hauptversammlung eine Erhöhung der Dividende um rund 18 % von 1,70 € im Vorjahr auf jetzt 2,00 € je gewinnberechtigter Aktie vor. Zusätzlich soll einmalig eine Sonderdividende von 1,00 € gezahlt werden, um die Aktionäre am Gewinn aus dem Verkauf des Geschäftsfelds Infrastructure Services zu beteiligen. Insgesamt entsprechen die Dividendenzahlungen unserer üblichen Ausschüttungsquote von rund 30 %, bezogen auf den Konzernüberschuss.


Der am 16. Oktober 2008 begonnene Aktienrückkauf der Vossloh AG wurde am 20. März 2009 mit dem Erwerb der maximal zulässigen Anzahl an Aktien abgeschlossen. Bis zum 31. Dezember 2008 wurden 907.000 Stückaktien, das entspricht 6,13 vom Hundert des Grundkapitals, zurückerworben. Heute hält die Vossloh AG mit 1.479.582 eigenen Aktien 10 % des Grundkapitals. Die Aktien wurden für einen Gesamtbetrag von rund 106,3 Mio.€ zurückgekauft. Dies entspricht einem durchschnittlichen Kaufpreis von 71,86 € je Aktie. Die erworbenen Aktien können unter anderem zur Finanzierung von Akquisitionen eingesetzt werden. Weitere Zwecke sind im Ermächtigungsbeschluss der Hauptversammlung vom 21. Mai 2008 definiert. Eine Entscheidung über die Verwendung der Aktien wurde bisher nicht getroffen.

Ende März 2009 bewerteten 21 Analystenhäuser die Vossloh-Aktie, im Vorjahr waren es 17. Im Vordergrund der nach wie vor mehrheitlich positiven Anlageempfehlungen der Analysten standen Robustheit und vergleichsweise hohe Transparenz sowie Verlässlichkeit des Geschäftsmodells von Vossloh. Zehn Analystenhäuser empfahlen die Aktie als Kauf und sieben gaben eine „Halten“-Einschätzung. Das durchschnittliche Kursziel der Analysten lag Ende März 2009 bei 80 €, die Bandbreite der als fairen Wert für die Aktie ermittelten Kursziele bewegte sich zwischen 56 € und 107 €.

Das Geschäftsmodell von Vossloh ist langfristig orientiert und setzt auf stetigen Wertzuwachs für unser Unternehmen. Wir investieren jetzt gezielt in bestehende wie neue Standorte und in die Entwicklung neuer Produkte, um aktiv Marktchancen ergreifen zu können, die sich in Zukunft sicherlich bieten.

Meine Damen und Herren, ich danke Ihnen für das Vertrauen, das Sie in das Unternehmen und seine Mannschaft setzen. Ich wünsche mir, dass dies so bleibt. Sie waren wieder ein aufmerksames Publikum.

Vielen Dank.