Rede des Sprechers des Vorstands
- Es gilt das gesprochene Wort -„Zukunft mit Mobilität.“
Ansprache vor den Aktionären der Vossloh AG auf der Hauptversammlung am 20. Mai 2009 in Düsseldorf
Werner Andree, Sprecher des Vorstands
sehr geehrte Aktionärsvertreter,
meine Damen und Herren,
zur Hauptversammlung der Vossloh AG möchte ich Sie, auch im Namen meines Vorstandskollegen Dr. Norbert Schiedeck und unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, herzlich begrüßen. Ich freue mich, dass Sie so zahlreich nach Düsseldorf gekommen sind und damit Ihr Interesse an der Gesellschaft bekunden. Ein weiterer besonderer Gruß gilt den Vertretern der Medien. Sie haben uns wie immer mit wachem Auge und dabei stets fair begleitet – dafür möchte ich an dieser Stelle auch einmal Dank sagen.
Wenn ich das abgelaufene Jahr zusammenfassen soll, kann ich einen Satz aufgreifen, den ich schon im vergangenen Jahr gesagt habe: Erfolg macht erfolgreich. Das operative Geschäft – schon im Vorjahr auf Rekordniveau – ist wieder hervorragend gelaufen. Darüber hinaus haben wir uns vom Geschäftsfeld Infrastructure Services, dem Gleisbau, getrennt, das wir nicht mehr zum Kerngeschäft gezählt haben. So haben wir die Risikostruktur des Konzerns verbessert und gleichzeitig weiteren finanziellen Spielraum gewonnen.
Das Geschäftsfeld Infrastructure Services war 2002 beim Erwerb der Cogifer-Gruppe zum Vossloh-Konzern gekommen und entwickelte sich gut. Aber: Große Bauaufträge werden heute zunehmend von international tätigen Projektgesellschaften vergeben. In Folge schärferen Wettbewerbs werden mehr und mehr Risiken auf die bauausführenden Unternehmen abgewälzt. Das Management solcher Risiken im Baubereich ist nicht unsere Kernkompetenz. Eurovia, ein international tätiger Bau- und Infrastrukturspezialist von erheblicher Größe, ist dazu besser in der Lage und damit der bessere Eigentümer.
Die vor wenigen Jahren zum strategischen Ziel erklärte Internationalisierung des Geschäfts mit der damals gesetzten Marke von rund 30 % Umsatz außerhalb Europas sehen wir als erreicht an. In 2008 konnte der Vossloh-Konzern in Europa ein Umsatzplus von fast 14 % erreichen. Außerhalb Europas stiegen die Erlöse um fast ein Drittel. Entsprechend erhöhte sich der Anteil des außerhalb Europas erzielten Umsatzes am Gesamtumsatz um fast drei Prozentpunkte auf 28,2 %. Zielsetzung für die Zukunft muss sein, Wachstumsmärkte unabhängig vom Kontinent noch besser und Märkte, auf denen wir nicht präsent sind, ganz neu zu erschließen. Ich komme darauf im Rahmen des Ausblicks zurück.
Wenngleich auch Unternehmenskäufe, insbesondere im Weichengeschäft, Wachstumsbeiträge lieferten, so war doch insgesamt das organische Wachstum, also Wachstum aus eigener Kraft, tragende Säule unseres Geschäftserfolgs im Jahr 2008. Lassen Sie mich dies anhand der Entwicklung unserer Geschäftseinheiten erläutern.
Das Verhältnis der Vertriebs- und Verwaltungskosten zu den Umsatzerlösen ging aber gegenüber dem Vorjahr merklich von 11,9 % auf 10,6 % zurück.
Die signifikante Ausweitung der Umsatzerlöse, die Kompensation der verminderten Bruttomarge durch einen nur moderaten Anstieg der Vertriebs- und Verwaltungskosten sowie ein höheres sonstiges Ergebnis waren ursächlich für den überproportionalen EBIT-Zuwachs um fast 24 % von 111,1 Mio.€ in 2007 auf nunmehr 137,7 Mio.€ im Geschäftsjahr 2008.
Die Vossloh-Mannschaft hat wieder erfolgreich ein beträchtliches Aufgabenpaket bewältigt, in Deutschland, in Europa oder in irgendeinem der mehr als 100 Länder, in denen Vossloh aktiv ist. All diesen Mitarbeitern, die solches möglich gemacht haben, möchte ich, auch im Namen meines Vorstandskollegen Dr. Norbert Schiedeck, herzlich danken.
Ich habe im vergangenen Jahr an dieser Stelle gesagt, dass Erfolg Zufriedenheit und Ausgeglichenheit erzeugt, dass ein positives Betriebsklima die Folge ist. Das kann und will ich heute wiederholen.
Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind hoch qualifiziert, hoch motiviert und überdurchschnittlich engagiert. Die Fluktuation ist unverändert sehr niedrig. Mit dieser Belegschaft sehen wir herausfordernden Aufgaben ein Stück weit gelassener entgegen.
Was heißt das eigentlich? Das heißt, wir besaßen Ende 2008 mehr flüssige Mittel als Finanzverbindlichkeiten. Mit anderen Worten, und das gilt auch noch heute: Vossloh ist praktisch schuldenfrei. Wir verfügen damit über eine hohe finanzielle Flexibilität, die gerade heute keine Selbstverständlichkeit ist. Refinanzierungsprobleme kennen wir derzeit nicht. Wenn Sie sich die Struktur unserer Finanzverbindlichkeiten anschauen, werden Sie einen weiteren Pluspunkt erkennen. Unsere Finanzverbindlichkeiten bestehen überwiegend aus langfristigen Fremdmitteln, die wir im Jahr 2004 über ein US-Private-Placement aufgenommen haben. Die aufgenommenen Mittel sind 2014 bzw. 2016 endfällig zurück zu zahlen. Wir haben seinerzeit einen jährlichen Zinssatz von rund 5,4 % vereinbart. In der gegenwärtigen Kapitalmarktsituation ist eine Refinanzierung zu einem vergleichbaren Zinssatz kaum möglich. Es mehren sich zudem die Stimmen, die für die folgenden Jahre einen deutlichen Anstieg der Inflation erwarten. Das Zinsniveau dürfte also tendenziell nicht sinken. Vossloh steht somit in doppelter Hinsicht gut da: Wir haben einerseits einen hohen Bestand an flüssigen Mitteln, der uns sehr flexibel agieren lässt, andererseits haben wir für die nächsten 5 bis 7 Jahre sehr gute Fremdkapitalkonditionen fixiert.
Am 6. März 2009 eröffnete das Geschäftsfeld Fastening Systems die erheblich ausgebaute Produktionsstätte für Schienenbefestigungssysteme in Erzincan in der Ost-Türkei. Jährlich sollen dort mit rund 55 Mitarbeitern etwa acht Millionen Spannklemmen hergestellt werden. Die Fabrik wird insbesondere die Lieferungen für den Ausbau des türkischen Hochgeschwindigkeitsnetzes übernehmen.
Im Geschäftsfeld Fastening Systems ging der hohe Auftragsbestand vor allem durch die planmäßige Abarbeitung des chinesischen Großauftrags im Vergleich zum Vorjahr um 64 Mio.€ zurück. Das Geschäftsfeld Switch Systems verbuchte 25 % mehr Auftragseingang, entsprechend stieg auch der Auftragsbestand an. Bei Vossloh Locomotives gab es nur leichte Veränderungen: Kiel verzeichnete einen leicht höheren Auftragsbestand als im Vorjahr, Valencia einen etwas niedrigeren. Das Geschäftsfeld Electrical Systems konnte durch den um 24 % gestiegenen Auftragseingang in 2008 auch beim Auftragsbestand merklich zulegen.
Meine Damen und Herren, wir sehen uns derzeit dem schärfsten wirtschaftlichen Abschwung seit dem Zweiten Weltkrieg gegenüber. Das Vossloh-Geschäft ist bislang von dieser Krise relativ unbeeindruckt verlaufen, ich habe Ihnen ja gerade über das Rekordjahr 2008 und ein ordentliches erstes Quartal 2009 berichten können. Wir sind durch die Eigenarten unserer Märkte ein wenig bevorzugt, weil im Bahnmarkt generell langfristiger geplant wird. Wir sind aber nicht, wie bisweilen zu lesen war, ein Krisengewinner. Kurzfristig profitieren wir nur sehr begrenzt von staatlichen Infrastrukturprogrammen. Eine Eisenbahnstrecke wird schließlich nicht von heute auf morgen beschlossen und gebaut. Wie wir uns die nähere Zukunft im Einzelnen vorstellen, darauf komme ich nun.
„Zukunft mit Mobilität“ ist das Motto, unter das wir unseren diesjährigen Geschäftsbericht gestellt haben. Wir glauben an die Zukunft des schienengebundenen Verkehrs. Das Management von Vossloh sieht aus diesem Grund neben den Risiken der aktuellen wirtschaftlichen Entwicklung auch beachtliche Chancen für das künftige Geschäft.
Der Internationale Währungsfonds erwartet 2009 das niedrigste Wachstum der Weltwirtschaft seit dem Zweiten Weltkrieg. Wir gehen aber davon aus, dass durch die relevanten globalen Trends – Urbanisierung, Deregulierung staatlicher Eisenbahnsysteme, Zunahme beim Wettbewerb der Verkehrsträger und nicht zuletzt Klimaschutzanstrengungen – zusätzliche Nachfrage nach schienengebundener Infrastruktur und umweltfreundlichen Fahrzeugen entstehen wird.
Hinzu kommt, dass die Investitionen der Auftraggeber in den einzelnen Ländern zwar Zyklen unterworfen sind, die Geschäftsfelder von Vossloh aber durch ihre internationale Präsenz in der Vergangenheit regionale Schwankungen meistens ausgleichen konnten. Durch die Synchronität des weltweiten Abschwungs wird diese Kompensation allerdings in näherer Zukunft weniger effektiv sein. Andererseits haben mehrere Länder im Rahmen ihrer Konjunkturpakete Investitionen in schienengebundene Infrastruktur angekündigt, darunter Russland, China und auch Deutschland. Nach neuesten Berechnungen unseres europäischen Branchenverbands UNIFE stehen für Konjunkturmaßnahmen im Bereich des schienengebundenen Verkehrs in der Europäischen Union 20 Mrd.€ bereit, in China 85 Mrd.€.
Wir beobachten, dass das Investitionsverhalten unserer privaten Kunden derzeit extrem zurückhaltend ist, insbesondere aus dem Bereich Güterverkehr. Wir müssen uns darauf einstellen, dass wir hier eine Durststrecke überwinden müssen. Relevant ist dies insbesondere für unser Lokomotivengeschäft, weil Dieselloks hauptsächlich im derzeit von der Krise besonders betroffenen Frachtverkehr eingesetzt werden. Über den Erwartungen liegende Erfolge an anderer Stelle im Konzern sollten dies jedoch kompensieren können.
Grundsätzlich sind alle Bereiche der Mobilität für die künftige Entwicklung des Vossloh-Geschäfts von Bedeutung, das heißt: Frachtverkehr, Personenfernverkehr und Nahverkehr.
Stichwort Frachtverkehr: Zwar gehen Frachtvolumina zurück, wenn die Wirtschaftsleistung schrumpft. Die Faustformel, wonach das Frachtaufkommen doppelt so stark wächst wie die Wirtschaftsleistung, gilt leider positiv wie negativ. Aber das ist ein zeitlich begrenztes Problem. Konsumregionen und Produktionsregionen sind weltweit bereits auseinandergefallen. Güteraustausch über große Entfernungen wird es daher auch in Zukunft geben. Umweltverträglichkeit und Energieeffizienz werden an Bedeutung gewinnen. Wir sehen darin die Chance, dass der Schienenverkehr seine Bedeutung im Mix der Verkehrsträger ausbauen kann. Es besteht ferner unverändert der Bedarf, die europäischen Frachtkorridore auszubauen. Gerade im Frachtverkehr kann die Bahn besonders punkten, vor allem, wenn schwere oder voluminöse Güter bewegt werden müssen – ein Vorteil, der in der globalisierten Wirtschaft noch stärker zum Tragen kommt. Bewegten sich Güterbahnen früher traditionell vor allem in regionalem bis nationalem Maßstab, so werden künftig grenz- oder gar kontinentüberschreitende Verbindungen immer wichtiger. Ein Signal für die Zukunft setzte hier im Herbst 2008 der Trans-Eurasia-Express. Voll beladen mit 50 Containern, legte er die rund 10.000 Kilometer von Peking nach Hamburg in 17 Tagen zurück – ein Drittel schneller als ein Schiff und 75 % preiswerter als der Transport per Flugzeug.
Stichwort Personenfernverkehr: Der Ausbau der Hochgeschwindigkeitsnetze wird weltweit vorangetrieben. Die Bahn ist ein umweltverträgliches Verkehrsmittel. Ein Hochgeschwindigkeitszug emittiert vergleichsweise wenig CO2. In den wachstumsstarken Regionen der Welt ist die Eisenbahn das Transportmittel der Wahl, weil Züge eine hohe Kapazität bieten und weite Distanzen überwinden können – zu vergleichsweise geringen Kosten. Im Personenfernverkehr haben in Europa die komfortablen Hochgeschwindigkeitszüge bereits beträchtliche Marktanteile bei den Stadt-zu-Stadt-Verbindungen gewonnen – vor allem bei Reisezeiten unter dreieinhalb bis vier Stunden. Ein gutes Beispiel ist die Strecke Madrid–Barcelona: Hier lief das High-Speed-Angebot auf der Schiene innerhalb kurzer Zeit einer der meistgenutzten Flugverbindungen der Welt den Rang ab. Auch auf der Strecke Frankfurt/Main–Paris erreicht der Hochgeschwindigkeitszug bereits einen Marktanteil von rund 90 %.
Stichwort Nahverkehr: Urbanisierung ist ein weltweiter Trend. Seit dem Jahr 2007 wohnt mehr als die Hälfte der Menschen auf der Welt in Städten. Nach Prognosen der Vereinten Nationen wird der Anteil der städtischen Bevölkerung bis 2030 weltweit auf über 60 % steigen, bis 2050 auf 70 %. Die räumliche Distanz zwischen Wohnen, Arbeiten und Freizeit erzeugt enorme Pendlerströme. Der innerstädtische Verkehr schwillt mit zunehmenden Einwohnerzahlen ebenso an wie der Stadt-Umland-Verkehr. Das Verkehrsaufkommen steigt kontinuierlich an, gleichzeitig bleibt der Platz für Verkehrsflächen begrenzt. Insbesondere Bahnsysteme können Abhilfe schaffen. Deren Kapazität ist vergleichsweise hoch. Langfristig sinnvoll sicherstellen lässt sich die Mobilität Tausender Menschen auf engem Raum nur mithilfe leistungsfähiger Massentransportsysteme – mit Straßen-, Stadt- und U-Bahnen sowie Bussen und Elektrobussen. Im Personennahverkehr ist deshalb seit einigen Jahren weltweit eine Renaissance der Stadt- und Straßenbahnen zu beobachten. Nicht nur Wachstumsländer wie China und Indien setzen auf die Schiene. Selbst in den USA, noch immer der Inbegriff des „Autolands“, investieren Städte wie Houston, Dallas oder Denver in moderne Straßenbahnen. Dabei spielen auch Klimaschutzargumente und das Wissen um die Endlichkeit fossiler Brennstoffe wie Erdöl eine Rolle.
Wenn im schottischen Edinburgh 2011 nach über 50 Jahren Pause wieder Straßenbahnen das Stadtbild prägen werden, arbeitet im Inneren Technik von Vossloh Kiepe. Wir liefern sämtliche Antriebseinheiten für die neue Tramway. Die über 40 Meter langen Fahrzeuge mit Platz für rund 250 Passagiere werden dann die größten sein, die im Vereinigten Königreich unterwegs sind.
Für das Jahr 2010 erwartet Vossloh weiteres Wachstum bei Umsatz und Ergebnis.
Nach der aktuellen Planung werden beide Geschäftsbereiche – Rail Infrastructure und Motive Power&Components – zum Umsatzwachstum der nächsten beiden Jahre beitragen.
Der Geschäftsbereich Rail Infrastructure soll bis zum Jahr 2010, den Planungen entsprechend, auf ein Umsatzvolumen von über 800 Mio.€ kommen. Nachfragesteigerungen werden in nahezu allen Regionen erwartet, neben Asien insbesondere in Osteuropa, den MENA-Staaten und auf dem amerikanischen Kontinent. EBIT-Marge und ROCE sollten nachhaltig deutlich über den Zielwerten bleiben.
Mit guten Auftragsbeständen erwarten die beiden Geschäftsfelder des Geschäftsbereichs Motive Power&Components eine Fortsetzung der ansprechenden Geschäftsentwicklung. Vossloh Locomotives plant für 2009 und 2010 eine moderate Ausweitung des Umsatzvolumens. Vor allem der Standort Valencia verfügt über Auftragsbestände, die rechnerisch deutlich über das Jahr 2009 hinausreichen. Vossloh Electrical Systems geht vor dem Hintergrund einer rechnerischen Auftragsreichweite von fast zwei Jahren von hohen Umsatzsteigerungen aus. Insgesamt sollte der Geschäftsbereich Motive Power&Components bis zum Jahr 2010 auf Umsätze von über 500 Mio.€ wachsen. Im Geschäftsbereich Motive Power&Components soll der ROCE nachhaltig über der als Ziel definierten Marke von 15 % liegen.
Wir haben durch gezielte Stärkung unserer Vertriebsstruktur die Voraussetzungen geschaffen, die überdurchschnittlichen und zum Teil neuen Marktchancen auch außerhalb Europas ergreifen zu können.
Zur Stärkung unserer Marktpositionen und für mehr Wachstum stellen wir in den kommenden zwei Jahren jeweils rund 60 Mio.€ bereit. Dabei stehen Modernisierungen und Kapazitätserweiterungen für den Geschäftsbereich Rail Infrastructure und das Geschäftsfeld Electrical Systems im Mittelpunkt. An unseren Lokomotivstandorten konzentrieren wir uns auf die Entwicklung neuer Produkte.
Auf Basis des geplanten organischen Wachstums und der daraus zu erwartenden Mittelzuflüsse wird die Nettoverschuldung von Vossloh trotz der hohen Investitionen sowohl im Jahr 2009 als auch im Jahr 2010 niedrig bleiben.
Die Entwicklung der Mitarbeiterzahl wird sich im Jahr 2009 weiter am Geschäftsvolumen orientieren. Durchschnittlich dürften im laufenden Jahr rund 4.800 Beschäftigte für Vossloh tätig sein.
Organisches Wachstum steht ebenso im Fokus der Zielsetzungen von Vossloh für die kommenden Jahre wie die gezielte Suche nach Akquisitionen, die das bestehende Portfolio strategisch gut ergänzen. Dies betrifft sowohl mögliche geografische Erweiterungen im Bereich Weichen als auch zusätzliche Produkte und Dienstleistungen in der Schieneninfrastruktur sowie im Geschäftsbereich Motive Power&Components.
Solche Akquisitionen sollen zum einen die Wertschöpfungsstrukturen des Konzerns optimieren und zum anderen zusätzliche Wachstumschancen für die Vossloh-Gruppe erschließen. Größere Akquisitionen sollen die Kernkompetenzen des Konzerns in den Bereichen Mobilität und Verkehr sinnvoll ergänzen. Grundsätzlich sollen Akquisitionen von Anfang an die Konzernvorgaben erfüllen und zum wertorientierten Wachstum beitragen.
Bevor ich abschließend zum Thema Vossloh-Aktie komme, erlauben Sie mir zuvor noch Anmerkungen zur Tagesordnung.
Obwohl die Gesellschaft derzeit 10 % eigene Aktien hält, bitten wir Sie erneut um eine Ermächtigung zum Erwerb und zur Verwendung eigener Aktien sowie zum Ausschluss des Bezugs- und Andienungsrechts. Zum Erwerb eigener Aktien bedarf die Gesellschaft, soweit nicht gesetzlich ausdrücklich zugelassen, der Ermächtigung durch die Hauptversammlung. Die derzeit bestehende, durch die Hauptversammlung vom 21. Mai 2008 erteilte Ermächtigung zum Erwerb eigener Aktien ist bis zum 20. November 2009 befristet. Da diese Frist vor der nächsten ordentlichen Hauptversammlung ablaufen wird, schlagen wir der Hauptversammlung vor, der Gesellschaft erneut eine Ermächtigung zum Erwerb eigener Aktien zu erteilen.
Ich möchte hier ausdrücklich darauf hinweisen, dass auf die erworbenen Aktien zusammen mit anderen eigenen Aktien, die sich im Besitz der Gesellschaft befinden oder ihr nach den §§ 71a ff. AktG zuzurechnen sind, zu keinem Zeitpunkt mehr als zehn vom Hundert des Grundkapitals entfallen dürfen. Mit anderen Worten, solange wir nicht entschieden haben, was mit den derzeit im Bestand befindlichen eigenen Aktien passiert, können wir von der neuen Ermächtigung keinen Gebrauch machen. Ich möchte hervorheben, dass die Ermächtigung nicht zum Zwecke des Handels in eigenen Aktien ausgenutzt werden darf. Die eigenen Aktien dürfen aber beispielsweise als Akquisitionswährung eingesetzt oder können eingezogen werden.
Unter Punkt 7 der Tagesordnung wird die Schaffung eines neuen genehmigten Kapitals in Höhe von bis zu Euro 7.500.000 durch Ausgabe von neuen, auf den Inhaber lautenden Stückaktien gegen Bar- und/oder Sacheinlagen vorgeschlagen (Genehmigtes Kapital). Mit dem vorgeschlagenen Genehmigten Kapital versetzen Sie den Vorstand der Gesellschaft in einem angemessenen Rahmen in die Lage, die Eigenkapitalausstattung der Gesellschaft jederzeit den geschäftlichen Erfordernissen anzupassen und in den sich wandelnden Märkten im Interesse ihrer Aktionäre schnell und flexibel zu handeln. Im Verhältnis zum vorhandenen Kapital ergibt sich für das genehmigte Kapital eine Relation von 1 zu 5, das heißt, unser Vorschlag an die Hauptversammlung für ein genehmigtes Kapital ist begrenzt auf maximal 20 Prozent des vorhandenen Grundkapitals. Der Vorstand sieht es als seine Pflicht an, dafür zu sorgen, dass die Gesellschaft – unabhängig von konkreten Ausnutzungsplänen – stets über die notwendigen Instrumente für eine Kapitalbeschaffung verfügt. Da Entscheidungen über die Deckung eines Kapitalbedarfs in der Regel kurzfristig zu treffen sind, ist es wichtig, dass die Gesellschaft hierbei nicht vom Rhythmus der jährlichen Hauptversammlung beziehungsweise von Einberufungsfristen für eine außerordentliche Hauptversammlung abhängig ist. Mit dem Instrument des genehmigten Kapitals hat der Gesetzgeber diesem Erfordernis Rechnung getragen. Gängige Anlässe für die Inanspruchnahme eines genehmigten Kapitals sind die Stärkung der Eigenkapitalbasis und die Finanzierung von Beteiligungserwerben.
Mit den beiden vorgeschlagenen Vorratsbeschlüssen zu eigenen Aktien und zur Schaffung eines neuen genehmigten Kapitals bitten wir Sie darum, der Unternehmensleitung Spielraum nicht zuletzt für mögliche Akquisitionen zu verschaffen. Die Möglichkeit, auch kurzfristig über die vorgeschlagenen Handlungsoptionen verfügen zu können, kann insbesondere bei Unternehmenserwerben erfolgsentscheidend sein.
Im Vergleich aller MDAX-Aktien stand Vossloh zum Jahresende 2008 auf Platz 3 der Wertentwicklung im Jahr 2008. Entsprechend lag die Marktkapitalisierung der Vossloh AG mit 1.104,0 Mio.€ zum 30.12.2008 nur knapp unter dem Wert des Vorjahresstichtages (1.185,1 Mio.€). Mit 27,9 Mio. Stück übertraf das Handelsvolumen in der Aktie erneut den Rekordwert von 2007 und stieg um rund 3,9 Mio. Stück beziehungsweise 16 %. Im Durchschnitt wurden 2008 täglich 109.900 Vossloh-Aktien gehandelt, 14.500 Stück mehr als im Jahr zuvor. Auf der MDAX-Rangliste der Deutschen Börse zum Jahresende 2008 rückte die Vossloh AG im Vergleich zum Ende des Vorjahres deutlich nach oben. Die Vossloh-Aktie stieg im Dezember 2008 in der Kategorie Marktkapitalisierung von Platz 43 (Stand Ende Dezember 2007) auf 23; bei den im Gesamtjahr gehandelten Volumina nahm sie Rang 29 ein (Dezember 2007: Platz 44).
Ende März 2009 bewerteten 21 Analystenhäuser die Vossloh-Aktie, im Vorjahr waren es 17. Im Vordergrund der nach wie vor mehrheitlich positiven Anlageempfehlungen der Analysten standen Robustheit und vergleichsweise hohe Transparenz sowie Verlässlichkeit des Geschäftsmodells von Vossloh. Zehn Analystenhäuser empfahlen die Aktie als Kauf und sieben gaben eine „Halten“-Einschätzung. Das durchschnittliche Kursziel der Analysten lag Ende März 2009 bei 80 €, die Bandbreite der als fairen Wert für die Aktie ermittelten Kursziele bewegte sich zwischen 56 € und 107 €.
Das Geschäftsmodell von Vossloh ist langfristig orientiert und setzt auf stetigen Wertzuwachs für unser Unternehmen. Wir investieren jetzt gezielt in bestehende wie neue Standorte und in die Entwicklung neuer Produkte, um aktiv Marktchancen ergreifen zu können, die sich in Zukunft sicherlich bieten.
Meine Damen und Herren, ich danke Ihnen für das Vertrauen, das Sie in das Unternehmen und seine Mannschaft setzen. Ich wünsche mir, dass dies so bleibt. Sie waren wieder ein aufmerksames Publikum.
Vielen Dank.
