Story | 20.8.2026

Schienenpflege in H null

Story | 20.8.2026

Schienenpflege in H null

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Schienenpflege in H null

Besuch einer Welt im Kleinformat

Im Miniatur Wunderland in Hamburg, der größten Modelleisenbahn der Welt, dreht auch ein Schleifzug von Vossloh seine Runden. In diesem Jahr feiern beide Jubiläum: Das Wunderland wird 25, der Schleifzug ist seit 15 Jahren dort im Einsatz.

Seinen Zug hat Konstantin von Diest damals persönlich auf die Schienen gesetzt, natürlich. „Das war ja mein Baby“, sagt er heute, 15 Jahre später. Als Abteilungsleiter „High Speed Grinding“ bei Vossloh Rail Services war er für die Entwicklung des sogenannten Hochgeschwindigkeits-Schleifzuges verantwortlich. Und ein Miniatur-Modell dieses Zuges hat er eben an diesem Septemberabend 2011 im Wunderland in der Hamburger Speicherstadt auf seine erste Fahrt geschickt.

Das Miniatur Wunderland bewies damit einmal mehr sein Gespür für technische Innovationen. Denn der von Vossloh entwickelte Schleifzug stellt im Bahnbereich eine Revolution dar. Dort sind Maschinen zur Schienenpflege ansonsten nur im Schritttempo unterwegs, für die Arbeiten muss der Betrieb auf der Strecke unterbrochen werden. Der Schleifzug von Vossloh dagegen kann mit 80 Kilometern pro Stunde im Verkehr mitschwimmen. So ist er beispielsweise im Netz der Deutschen Bahn nachts zwischen Güterzügen im Einsatz und hinterlässt am Morgen gut präparierte Schienen.

Auch im Miniatur Wunderland rollt der Vossloh-Schleifzug zügig durch die Modellwelten. „Für uns war es wichtig, dass der Schleifzug auch auf der Modellanlage in hohem Tempo fährt“, sagt Konstantin von Diest. „Denn das ist unser Alleinstellungsmerkmal.“ Für Bahnbetreiber bietet diese Eigenschaft große Vorteile: Sie vermeiden Streckensperrungen und können im laufenden Betrieb Schienenpflege betreiben. 

 

Einer der zehn „coolsten Züge“

Im Einsatz auf der großen Schiene trägt der Schleifzug in mehreren Überfahrten eine feine Schicht in der Größenordnung von 0,1 Millimetern ab und entfernt dabei feinste Risse, die sich durch hohe Geschwindigkeiten und große Achslasten der Züge auf der verhärteten Oberfläche der Schiene gebildet haben. Diese präventive Behandlung vermeidet, dass sich die Risse weiter ausbreiten und einen aufwendigen und teuren Austausch der Schienen nötig machen.

Der Schleifvorgang wird im Modell durch rötliches Blinken an der Unterseite des Miniaturzuges dargestellt. Wenn die Beleuchtung im Wunderland auf „Nacht“ gestellt wird, lassen sich diese simulierten Funken besonders gut beobachten. Ein echter Hingucker, findet auch Konstantin von Diest. „Wenn wir ins Miniatur-Wunderland gehen, suchen wir immer zuerst nach unserem Schleifzug.“

Den betrachten auch die Macher des Wunderlands selbst als Attraktion. In einem Video zum 25-jährigen Jubiläum werden die „Top 10 coolen Züge“ vorgestellt – darunter auch der Schleifzug von Vossloh. 

25 Jahre Miniatur Wunderland: beliebter als der Eiffelturm

Nach dem Start im August 2001 hat sich das Miniatur Wunderland schnell zu einem Publikumsmagneten entwickelt. Mit rund 1,6 Millionen Besuchern im Jahr ist es Hamburgs populärste Sehenswürdigkeit. Im Ranking von Tripadvisor, basierend auf den Bewertungen von Reisenden, zählt es aktuell zu den zehn beliebtesten Touristenattraktionen der Welt, noch vor dem Eiffelturm. „Das Schloss Neuschwanstein in Bayern ist nichts dagegen“, sagt denn auch der Bürgermeister von, na ja: Hamburg.

Mit ihrer offiziell vom Guinnessbuch der Rekorde bestätigten größten Modelleisenbahn der Welt haben sich die Brüder Gerrit und Frederik Braun einen Kindheitstraum erfüllt. Und erleben auf der Baugröße H0 – gesprochen: „H null“ – im Maßstab 1:87 ähnliche Herausforderungen wie die große Bahn. Im Dauereinsatz machen sich auch auf der kleinen Schiene Materialverschleiß, Metallstaub und Radabrieb bemerkbar und sorgen auf dem rund 16 Kilometer langen Netz für Probleme. „Wir mussten feststellen, dass wir die Physik nicht überlisten können“, sagt Frederik Braun in einem Interview zum Tag der Schiene in diesem Jahr.

Daher sind auch im Wunderland spezielle Maschinen zur Schienenpflege im Einsatz. 48 Reinigungszüge halten mit Filz oder Reinigungsstein die Gleise sauber, weil zu viel Schmutz den elektrischen Fluss für die Stromversorgung der Loks beeinträchtigt. Zusätzlich ist eine Flotte von Staubsaugerwagen im Kleinformat unterwegs, deren Technik von den Hamburger Tüftlern ständig weiterentwickelt wird.

Das nötigt auch Konstantin von Diest, heute Technischer Leiter bei Vossloh Rail Services, Respekt ab. „Die ständige Suche nach Verbesserung und Perfektion inspiriert uns immer wieder“, sagt er. „Auch bei uns gibt es ja keine Lösung aus dem Katalog, alles wird selbst entwickelt.“ So ist der Schleifzug im realen Leben längst mit digitaler Technik ausgestattet und liefert Informationen über den Zustand der Schienen. Die nächste Generation, die noch intelligenter werden soll, ist bereits in Arbeit.

Konstantin von Diest kommt immer wieder gern in die Modellbahnanlage in der Speicherstadt. Vossloh und das Miniatur Wunderland verbindet seit vielen Jahren eine enge Zusammenarbeit, regelmäßig lädt das Unternehmen Kunden und Partner zu Besuchen dort ein, inklusive Führung hinter die Kulissen. Diese Einblicke haben auch Konstantin von Diest beeindruckt. „Das Wunderland ist rein technisch ein Meisterwerk“, sagt er. „Und kreativ-künstlerisch sowieso.“

Seine Glückwünsche zum Jubiläum kommen daher aus vollem Herzen: „Wir gratulieren dem Miniatur-Wunderland zu 25 Jahren – und freuen uns, dass unser Hochgeschwindigkeits-Schleifzug seit 15 Jahren ein Teil davon ist.“

Konstantin von Diest