Die VTM-compact wird für gezielte Fräseingriffe an definierten Abschnitten des Netzes eingesetzt

Story | 16.09.2026

Wenn Warschau nach dem Sommer wieder Fahrt aufnimmt

Warschau investiert in den Ausbau und die Modernisierung seines Straßenbahnnetzes.

Mit dem Ende der Sommerferien kehrt in Warschau der Alltag zurück. Schulen und Universitäten starten ins neue Jahr, Pendler füllen wieder verstärkt die Straßen und der öffentliche Nahverkehr erreicht sein gewohnt hohes Niveau. Gleichzeitig endet für die Verkehrsbetriebe eine intensive Sommersaison, in der zahlreiche Arbeiten an der Straßenbahninfrastruktur durchgeführt wurden. Die Takte werden wieder verdichtet und die Stadt stellt sich auf den Normalbetrieb ein.

Wie wichtig die Straßenbahn für Warschau ist, zeigen die Zahlen: Rund 249 Millionen Fahrten wurden 2025 mit den Straßenbahnen der polnischen Hauptstadt unternommen. Damit ist die Straßenbahn nach dem Busverkehr das meistgenutzte öffentliche Verkehrsmittel der Stadt.

Ausbau und Erneuerung gehen Hand in Hand

Die Straßenbahn spielt eine wichtige Rolle in der langfristigen Mobilitätsstrategie Warschaus. Mit der 2024 eröffneten Verbindung nach Wilanów erhielt das Netz eine der größten Erweiterungen der vergangenen Jahrzehnte. Weitere Projekte, darunter die geplante Strecke zur Zielona Białołęka, befinden sich bereits in Vorbereitung. Gleichzeitig investiert die Stadt intensiv in ihr bestehendes Netz und verfolgt damit einen Doppelansatz: Ausbau dort, wo die Stadt wächst, und Modernisierung dort, wo die Infrastruktur täglich stark beansprucht wird. 

Besonders die Sommermonate nutzt Warschau traditionell für größere Infrastrukturarbeiten. Allein in diesem Jahr standen 36 Maßnahmen auf knapp 12,5 Kilometern Gleis auf dem Programm. Ziel ist es, den Fahrkomfort zu verbessern, betriebliche Einschränkungen zu reduzieren und die Leistungsfähigkeit des Netzes langfristig zu sichern.

Nicht jede stark beanspruchte Schiene muss dafür ausgebaut und ersetzt werden. Einen wichtigen Beitrag zur langfristigen Verfügbarkeit der Infrastruktur leisten gezielte Instandhaltungsmaßnahmen, die bestehende Schienen wieder in einen optimalen Zustand versetzen.

Korrektur statt Austausch

Genau hier kommt die vorsorgende Schienenpflege ins Spiel. Im Auftrag der Warschauer Straßenbahn bearbeitet Vossloh besonders stark belastete Gleisabschnitte – sogenannte „Hot Spots“ – mit der kleinsten Schienenfräse der Welt, der VTM-compact. Sie wird für gezielte Fräseingriffe an definierten Abschnitten des Netzes eingesetzt, um Schienenfehler vollständig zu eliminieren und einen Schienenwechsel so lange wie möglich hinauszuzögern. 

Bearbeitet werden sowohl Vignol- als auch Rillenschienen. „Gerade Rillenschienen stellen bei Straßenbahnnetzen besondere Anforderungen an die Instandhaltung. Dass wir diese heute mit der VTM-compact in hoher Qualität bearbeiten können, ist das Ergebnis langjähriger Entwicklungsarbeit und in dieser Form einzigartig im Markt. Die Maschine schließt erfolgreich eine Nische, die mit bisherigen Fräsmaschinen nicht bearbeitet werden konnte“, erklärt Marcel Taubert, Geschäftsführer von Vossloh Rail Services.

Durch die korrektive Schienenbearbeitung können Schienenfehler frühzeitig behoben werden, bevor umfassende Erneuerungsmaßnahmen notwendig werden. Das verlängert nicht nur die Lebensdauer der Infrastruktur. Es hilft auch, Eingriffe zu vermeiden, die das Leben in einer Millionenstadt spürbar beeinflussen können. Denn wenn Rillenschienen ausgetauscht werden, müssen häufig Straßen geöffnet, Gleise freigelegt und ganze Verkehrsabschnitte zeitweise gesperrt werden. Betroffen sind dann oft auch Busse, Autos, Lieferverkehr und Anwohner. Die gezielte Schienenbearbeitung ermöglicht es dagegen, in kurzen nächtlichen Zeitfenstern einzugreifen, ohne die Mobilität der Stadt wesentlich einzuschränken. So leistet sie einen wichtigen Beitrag, damit Warschau Tag für Tag in Bewegung bleibt.

Wenn die Stadt schläft

Für diese Arbeiten bleibt nur wenig Zeit. Wie bei Straßenbahnsystemen weltweit stehen auch in Warschau lediglich kurze nächtliche Betriebspausen zur Verfügung. Pro Schicht bleiben etwa zweieinhalb bis drei Stunden, um die vorgesehenen Arbeiten durchzuführen. Deshalb beginnt die eigentliche Arbeit lange vor dem ersten Fräsdurchgang. Einsatzorte werden vorbereitet, zu bearbeitende Schienenabschnitte exakt definiert und sämtliche Abläufe auf die knappe verfügbare Zeit abgestimmt. 

Kaum hat die letzte Straßenbahn die Strecke verlassen, beginnt der Einsatz. Ein Unimog zieht die VTM-compact von Abschnitt zu Abschnitt. Dort bearbeitet die Maschine die zuvor festgelegten Bereiche präzise und innerhalb des engen Zeitfensters mit bis zu zwei Millimetern Materialabtrag pro Überfahrt. Abgetragene Späne werden während des Fräsvorgangs vollständig abgesaugt und im Spänebunker zur Entsorgung gesammelt, sodass keine Reinigungsarbeiten nötig sind. Denn noch bevor die Stadt erwacht, müssen die Gleise wieder vollständig für den Fahrgastbetrieb zur Verfügung stehen. 

 

Damit Wachstum auf starken Schienen fährt

Die Bedeutung solcher Maßnahmen wächst mit dem Netz. Während Warschau seine Straßenbahninfrastruktur kontinuierlich erweitert und modernisiert, steigt zugleich die Beanspruchung vieler Bestandsstrecken. Leistungsfähige Mobilität entsteht daher nicht nur durch den Bau neuer Trassen, sondern ebenso durch die kontinuierliche Pflege der vorhandenen Infrastruktur.

Die Ergebnisse sprechen für sich: Bereits 2025 bearbeitete Vossloh in Warschau mehr als 13 Kilometer Gleis. In diesem Jahr kamen weitere rund 7,5 Kilometer hinzu. Und wenn morgens wieder die ersten Straßenbahnen fahren, sollen Fahrgäste vor allem eines erleben: einen zuverlässigen, komfortablen und sicheren Betrieb.

Quellen:

Public Transportation in Warsaw in 2025. Over 900 Million Trips
Tramwajarze czekają na wiosnę – w planach remont blisko 12,5 km torów
Koniec wakacji
Tramwajem do Wilanowa
Tramwaj na Zieloną Białołękę
VTM-compact