Luftaufnahme von Bergamo – Altstadt. Blick auf das Stadtzentrum, seine historischen Gebäude und Türme an einem wunderschönen, strahlend blauen Tag.

Stories | 8.6.2026

Wenn historische Mauern auf moderne Mobilität treffen

Bergamo steht für eine wunderschöne historische Altstadt, venezianische Mauern und norditalienische Genusskultur – und für durchdachte Mobilität.

Eine Stadt zeitloser Anziehungskraft, die ihre Zukunft auf die Schiene setzt

Wer durch die engen Gassen der Città Alta schlendert, den Blick über die Lombardei schweifen lässt und den Duft von Espresso in der Nase hat, denkt nicht automatisch an Fahrpläne oder Taktverdichtungen. Und doch ist es genau dieser Kontrast, der Bergamo so spannend macht: Auf der einen Seite die gewachsene Stadt mit ihrem steinernen Erbe, der man die Erfindung von Stracciatella nachsagt, auf der anderen Seite eine Region, die ihre Zukunft bewusst auf die Schiene setzt.

Zwischen den Tälern der Seriana und der Brembana, den Vororten und der lebendigen Innenstadt entsteht derzeit ein Mobilitätssystem, das weit über die Stadtgrenzen hinaus Beachtung findet. Die erste Tramlinie T1 Richtung Albino hat vorgemacht, wie man eine stillgelegte Bahntrasse in ein leistungsfähiges, komfortables und beliebtes Verkehrsmittel verwandelt.  

Bergamos neue Linie T2 nach Villa d’Almè fügt dieser Geschichte eine zweite, ebenso charakteristische Achse hinzu. Wo früher die Züge der Ferrovia della Valle Brembana fuhren, entsteht derzeit eine moderne Straßenbahnverbindung, die fünf Gemeinden – Bergamo, Ponteranica, Sorisole, Almè und Villa d’Almè – auf 11,5 Kilometern Länge miteinander verknüpft und damit das tägliche Leben von über 240.000 Menschen direkter an die Stadt anbindet. 

Im ersten Abschnitt nutzt die T2 den bestehenden Stadtkorridor der T1: Vom Bahnhof Bergamo FS über Borgo Palazzo und San Fermo fahren beide Linien künftig auf demselben Gleis.  Hier entsteht ein gemeinsamer Rückgratabschnitt, der Bahn, Bus, Straßenbahn und den künftigen Flughafenanschluss nach Orio al Serio bündelt – ein echter Mobilitätsknoten – der weit mehr ist als nur eine Haltestelle. Ab der neuen Umsteigehaltestelle Bronzetti biegt die T2 dann ab Richtung Brembana-Tal. Von hier aus folgt sie fast vollständig der ehemaligen Bahntrasse, die jahrzehntelang ungenutzt blieb und nun als grüne, schienenbasierte Lebensader zurückkehrt. 17 Haltestellen sind entlang der Strecke geplant: neun in Bergamo selbst, je zwei in Ponteranica, Sorisole, Almè und Villa d’Almè. 

Eisenbahn-Großbaustelle mit Blick über neu entstehende Gleistrasse, Baugruben und angrenzende Landschaft

Charakteristisch für das Projekt ist der konsequente Fokus auf eine eigene, geschützte Trasse. Rund 95 Prozent der Strecke werden in einem separaten Gleiskörper geführt, mit 23 Querungen für Autos, Fußgänger und Radfahrende. Das gewährleistet nicht nur pünktlichen Betrieb, sondern reduziert auch Konflikte im Verbundverkehr, was einen wesentlichen Faktor für die Attraktivität im Alltag darstellt. Technisch bietet die T2 mehrere besondere Bauwerke: Ein neuer Tunnel bei Pontesecco, modernisierte Brücken über Morla, Quisa, Rigos und Rino, sowie die Sanierung des historischen Tunnels „Ramera“, der als einziges Streckenstück eingleisig bleibt und so ein sichtbares Stück Verkehrsgeschichte in den modernen Betrieb hinüberrettet.  

 

Parallel zu den Gleisen entsteht eine fast zehn Kilometer lange Radroute von San Fermo bis Villa d’Almè. Sie verbindet die neuen Tramhaltestellen mit den bestehenden Radwegen, führt am Parco dei Colli entlang und macht das, was konzeptionell nach „intermodaler Verknüpfung“ klingt, für die Menschen ganz konkret erlebbar: zu Fuß oder mit dem Rad zur Haltestelle und von dort weiter mit der Straßenbahn. Auch betrieblich denkt Bergamo das System weiter: Zehn neue Fahrzeuge mit 33 Metern Länge und bis zu 281 Plätzen verstärken die bestehende Sirio-Flotte der Linie T1. Zusammen stehen dann 24 Fahrzeuge zur Verfügung, die auf beiden Linien eingesetzt werden können – ein wichtiger Baustein für einen dichten Takt von sechs bis sieben Minuten in der Spitze und stabile Reserven im Hintergrund. 

Luftaufnahme einer Vossloh-Baustelle mit Mitarbeitenden in Warnwesten neben neu verlegten Gleisen in ländlicher Umgebung

Klare Nahverkehrsziele für weniger CO2-Emissionen

Die Ziele sind klar formuliert: Ab 2026 soll die T2 pro Jahr mehr als 4,5 Millionen Fahrgäste befördern, die Reisezeit zwischen Bergamo und Villa d’Almè auf 30 Minuten begrenzen und gleichzeitig die Autokilometer in der Region deutlich reduzieren. Prognosen sprechen von rund 26 Millionen eingesparten Pkw-Kilometern und etwa 3.000 Tonnen weniger CO₂ pro Jahr. Damit setzt Bergamo ein klares Signal für klimafreundliche Mobilität. Ermöglicht wird dieses Tempo nicht zuletzt durch den italienischen Wiederaufbau- und Investitionsplan PNRR (Piano Nazionale di Ripresa e Resilienza). Ein Großteil der rund 225 Millionen Euro Projektvolumen für die T2 stammt aus diesem Programm, ergänzt durch Mittel des Verkehrsministeriums, der Region Lombardei sowie der Stadt und der Umlandgemeinden. 

 

Im Hintergrund dieser Entwicklung steht eine Infrastruktur, die den dichten, verlässlichen und leisen Betrieb überhaupt erst möglich macht. Hier kommt Vossloh ins Spiel.

Entlang der neuen Linie T2 – von den Stadtkorridoren über Brücken und Tunnel bis hin zum neuen Depot bei Petosino – ist der Fahrweg besonderen Belastungen ausgesetzt: Hohe Taktfolgen, kurze Haltestellenabstände, Abschnitte mit 70 km/h und zugleich sensible städtische Räume, in denen Geräusche und Vibrationen möglichst gering bleiben sollen. Genau an dieser Schnittstelle zwischen Technik und Stadtraum setzt Vossloh mit seinen Lösungen für den Schienenoberbau an.

 

Je nach Abschnitt und Untergrund kommen unterschiedliche Systeme zum Einsatz, die eines gemeinsam haben: Sie müssen dauerhaft sicher führen, flexibel auf Temperatur- und Lastwechsel reagieren und gleichzeitig Schwingungen dämpfen. In Tunnelbereichen, wie der modernisierten Ramera-Galerie, sowie im Umfeld sensibler Wohn- und Grünzonen tragen elastische Schienenbefestigungssysteme dazu bei, Erschütterungen und Lärm zu reduzieren. Besonders in einem Netz wie Bergamo, in dem T1 und T2 künftig eine gemeinsame Flotte teilen, ist die Verfügbarkeit des Fahrwegs entscheidend: Qualität bei Schienen, Befestigungen und Weichen reduziert ungeplante Instandhaltungen und ermöglicht es dem Betreiber, die dichten Takte zu halten. 

Vossloh-Mitarbeitende mit Warnwesten und Helmen begutachten eine im Bau befindliche Gleistrasse mit montierten Schienenbefestigungen

Grüne Mobilität mit systemischem Verständnis

Vosslohs Engagement in Bergamo lebt von dem Blick auf den gesamten Lebenszyklus der Infrastruktur – von der Projektierung über den Bau bis zur langfristigen Betriebsdauer. Der Anspruch: Verlängerte Wartungsfenster, optimierte Instandhaltungsstrategien und somit über Jahrzehnte gesenkte Gesamtbetriebskosten. 

Um diesem Anspruch gerecht zu werden, bringt Vossloh in Bergamo verschiedene Systemlösungen und Services zusammen. Zum Einsatz kommen unter anderem Rillenschienenweichen, die Verbundstoffverbundschwelle EPS sowie die Befestigungssysteme W 14 und W-Tram. Hinzu kommen Kammerfüllelemente zur funktionalen Ausgestaltung des Gleisraums, Übergangsschienen sowie Schleif- und Schweißarbeiten, die die Leistungsfähigkeit des Fahrwegs langfristig sichern. Gerade dieses Zusammenspiel aus Komponenten, Systemen und Services macht den Unterschied: Es unterstützt einen verlässlichen Betrieb, reduziert den Instandhaltungsaufwand und zahlt auf die Lebenszyklusoptimierung der Infrastruktur ein.

 

So fügt sich Bergamo auch aus Vosslohs Sicht zu einem stimmigen Bild: Eine Stadt mit historischer Substanz und italienischem Flair, die ihre Mobilität neu denkt. Eine Stadt mit einer Schieneninfrastruktur, die dafür sorgt, dass die Straßenbahn als Rückgrat dieses Systems Tag für Tag zuverlässig funktioniert.

Nahaufnahme einer Verbundstoffverbundschwelle mit der Aufschrift „amalentic“ unter einer Schiene