Forschung und Entwicklung

Vossloh gehört in seinen Tätigkeitsfeldern in der Bahninfrastruktur zu den Technologieführern. Um den spezifischen Erwartungen der Kunden in den einzelnen Marktregionen nachhaltig gerecht zu werden und die eigene Wettbewerbsposition weiter zu stärken, investiert das Unternehmen intensiv in die Weiterentwicklung und Optimierung seiner Produkte und Dienstleistungen als auch beispielsweise in die Digitalisierung und die weitere Automatisierung der internen Geschäfts- und Produktionsprozesse. Innovationen sind ein entscheidender Baustein, um die technologische Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens aufrechtzuerhalten. Im Rahmen eines strukturierten Innovationsmanagements treibt Vossloh Neuentwicklungen kontinuierlich voran. Das wichtigste Stichwort dabei heißt Digitalisierung. Ende 2018 wurde im Unternehmen die Position des Chief Digital Officer (CDO) geschaffen, der konzernweit die Bereiche Informationstechnik, Digitalisierung und Innovation verantwortet.

Die Forschungs- und Entwicklungsarbeit bei Vossloh widmet sich schwerpunktmäßig mehreren drängenden Themen der Bahnbranche: Erhöhung der Streckenverfügbarkeit, Verlängerung der Lebensdauer der Infrastruktur(-komponenten) bei gleichzeitiger Reduzierung der Lebenszykluskosten und Reduzierung von Lärmemissionen im Schienenverkehr. Zudem beschäftigen sich die F&E-Experten von Vossloh konzernübergreifend mit den Folgen der steigenden Gleisbelastung und dem daraus resultierenden Verschleiß von Oberbaukomponenten. Als Systemanbieter verfügt Vossloh über umfassendes Know-how für den komplexen Fahrweg Schiene.

Schon seit einigen Jahren bündelt Vossloh sein Forschungs- und Entwicklungs-Know-how an mehreren Technologie- und Kompetenzstandorten. Im Herbst 2017 wurde ein konzernweites, strukturiertes Innovationsmanagement eingeführt, das einen systemischen, die Kerngeschäftsbereiche übergreifenden Ansatz verfolgt und auf offenes Denken setzt. Wesentliche Treiber für Neuentwicklungen sind die Wünsche und Bedürfnisse der Kunden und die Anforderungen des Markts. Gezielt bezieht Vossloh jetzt neue und benachbarte technologische Bereiche in seine Entwicklungsarbeit ein, denn aufgrund der zunehmenden Digitalisierung in der Bahnbranche sind immer häufiger interdisziplinäre Lösungsansätze gefragt, um neue Geschäftsmodelle umzusetzen. Und gerade durch den Einsatz neuer digitaler Technologien ergeben sich enorme Potenziale für den Vossloh-Konzern.

Core Components

Im Geschäftsbereich Core Components arbeiteten die F&E-Experten 2019 weiter an neuen Lösungen für mehr Lärm- und Erschütterungsschutz. Im Fokus stand dabei zum einen erneut das für den Nahverkehr in China entwickelte Schienenbefestigungssystem 336V und zum anderen das System DFF 336 NG für Metros auf Fester Fahrbahn. In beiden Systemen kommen cellentic-Zwischenplatten zum Einsatz. Bei cellentic handelt es sich um ein hochelastisches Elastomer. Komponenten aus diesem Material optimieren die Elastizität des Gleises. Das verringert Vibrationen und schont den Oberbau. Spannklemmen sowie Schwellen- und Hakenschrauben in beiden Systemen tragen die neue, besonders umweltfreundliche Premium-Zinkbeschichtung Vossloh protect für einen langlebigen Korrosionsschutz selbst unter extremen Bedingungen. Einen weiteren Forschungsschwerpunkt bildeten Under-Sleeper-Pads, eine ebenfalls vibrationsdämpfende Besohlung für Betonschwellen.

Customized Modules

Im Geschäftsbereich Customized Modules setzten die F&E-Ingenieure 2019 die Erprobung des neuen, extrem harten Walzstahls CogX fort. Der wärmebehandelte, laminierte Stahl für Herzstücke und Zungen wurde in Weichensystemen für den Straßenbahn- und den Schwerlastverkehr getestet. Das Material überzeugt durch eine im Vergleich zu bestehenden Lösungen höhere Verschleiß- und Stoßfestigkeit – und eine bis zu 30 % längere Lebensdauer. Auf Hochgeschwindigkeitsstrecken wurde sowohl ein rein hydraulischer Weichenantrieb, der zur Energieeinsparung beiträgt, als auch der neue, digital steuerbare Weichenantrieb MIM-H gründlichen Praxistests unterzogen. Abgeschlossen wurde die Erprobung der im Geschäftsbereich Customized Modules entwickelten Beschichtung COGISLIDE. Damit überzogene Gleitstühle in Weichen können ohne Schmierung bewegt werden. Zusammen mit COGILINK, einer neuen Generation selbstschmierender Unterlegscheiben, korrosionsgeschützter Zapfen und eines schmierungsfreien Kugelgelenks für alle Gestängearten, wird das gesamte Weichensystem wartungsfrei und funktioniert noch länger und zuverlässiger.

Lifecycle Solutions

Im Geschäftsbereich Lifecycle Solutions wurde 2019 die Entwicklung der kompakten MPM-Schienenfräse (Multi Purpose Milling) finalisiert. Zugeschnitten auf die Bedürfnisse des Nahverkehrs und tunneltauglich, eignet sie sich ebenso für die flexible Hotspot-Bearbeitung auf Vollbahnstrecken. Für selbstfahrende Schienenschleifzüge in chinesischen Nahverkehrsnetzen wurde mit der Entwicklung von zwei unterschiedlichen Schleifaggregaten begonnen; auch für die nächste Generation von Hochgeschwindigkeitsschleifzügen (HSG 3) entstanden erste Konzepte. Um eine regelmäßige Zustandserhebung zu gewährleisten arbeiteten im Geschäftsjahr 2019 die Ingenieure an integrierten Messeinrichtungen für die mobilen Schienenfräsen und Schleifzüge (High Speed Grinding).